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Geburt der Kommune
Cosmic Dancer
Hippy-Roman von Frank Ronan

Wir erleben eine der ersten Kommunen am Ende der 60er-Jahre, in der Coorg als jüngster Spross geboren wird. Am liebsten verbringt er die Zeit des Heranwachsens  in der urwaldähnlichen Haarpracht  von Mervyn, einem der wenigen Kommunarden,  der sich von den versponnenden Mystizismen und Sendungsallüren des Anführers Julian wenig beeindrucken lässt. Wann immer  eine Entscheidung gefragt ist, und sei es nur die, ob  man ein Konzert verlässt, wirft dieser Julian sein I Ging in Form von Schafgarbe-Stengeln, häufig gekoppelt mit der Einberufung des   Großen  Rates  So ist die Gruppe a priori vor spontanen Entschlüssen gefeit. Da Coorgs biologische  Mutter Brenda für mütterliche Instinkte völlig unempfindlich ist, wird der Kleine liebevoll von Deborah betreut, die dem Glauben der Kommune am wenigstens verhaftet ist, aber wohl gelitten, da sie als Einzige das hauswirtschaftliche Überleben der Sekte garantiert, sprich arbeitet. Brendas anfängliche Bereitschaft, „sich unbekümmert jeglicher, von den Männern vorgeschlagenen erotischen Aktivität hinzugeben,“, war inzwischen  deutlichem Widerwillen gewichen.  Daraufhin warfen ihr die Männer in einer höchst unharmonischen Sitzung des Großen Rates  vor, „frigide zu sein.“ Seinen Vater kennt Coorg nicht, vermutet jedoch den Anführer, weil der zweimal zum Verkehr mit Brenda zugelassen war. Dies hatte  ihm noch keine Frau zuvor  gestattet.  Die Gesellschaft junger Müßiggänger wohnt im HOme, in dem jedes Jahr mehr Leute auftauchten, „um sich unserem Experiment anzuschließen, aber immer weniger blieben.“
Coorg gilt als der neue Messias der Kommune, bis man in der Performance von Marc Bolan den momentanen Magier entdeckt. Das ist die lustige Welt, in die auch der Musiker Colin mit Klavier einzieht. „Er war Berufsmusiker gewesen, hatte einen  Nervenzusammenbruch  erlitten und während seiner langsamen Erholung festgestellt, dass sein Haar  gewachsen war.“ Dieser Colin führte  irgendwann den Brauch  ein, Gemüse anzubrüllen. Bislang galt das Wort der Makrobiotin Judy, dass das Gemüse lebte und vor Schmerz schrie, wenn es aus dem Boden gezogen wurde. Die HOmeler zeigten sich nur ungern mit ihr in der Außenwelt, da der Anblick eines Rasenmähers hysterische Anfälle auslösen konnte. „Sie preßte die  Hände auf die Ohren, stürzte  sich auf den erstaunten Gärtner und kreischte irgendetwas über  Englands Nationalsozialistische Partei oder den Holocaust im allgemeinen.“ Als Coorg von seinen Großeltern gekidnappt und nach Irland expediert wird, wo er die Auswüchse der Katholizismus kennen lernt, können wir uns an jenem anderen Dogmatismus und seiner Scheinheiligkeit ergötzen.
Der Roman ist eine köstliche Hymne auf die Hippiekultur mit ihren Mystizismen,  und den Versuch, einen Freiraum in dieser Welt von Fremdbestimmung, Produktionsgier und Konsumabhängigkeit zu schaffen.
Frank Ronan: „Cosmic Dancer“, Eichborn-Verlag, geb. 312 Seiten, ?? Euro, ADR
Jürgen Schild


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