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Meisterhafte Charakterisierung
Verderbnis
Thriller von Mo Hayder

Wohl eher ein Schmuckcover

Die Geduldigen  werden belohnt werden, denn ihrer wartet ein furioses Ende von 50 Seiten.

Schnell steckt man im ersten Fall, einer Kindesentführung im Parkhaus, die sich als wiederholtes Verbrechen eines Pädophilen herauszustellen scheint. Seltsamerweise scheinen nicht alle geraubten Kinder dem schrecklichen Schicksal ausgesetzt zu werden. DI Caffery steht vor einem Rätsel, das seine Ermittlererfahrungen aufs Äußerste strapaziert. Wie häufig in Serienromanen treffen wir alte Bekannte, so Cafferys Polizeikollegin Flea Marley, zu der sein Verhältnis merklich abgekühlt ist, seit er den Verdacht nährt, dass sie nach ihrer Fahrerflucht mit Todesfolge die Leiche entsorgt hat, und den Walking Man, Einsiedler, Philosoph  und Landstreicher in einer Person. Die Zwiegespräche der beiden hatten immer eine eigene Qualität. „ ...wenn man mit ihm zusammensaß, fühlte sich man wie in der Gegenwart Gottes: Er schien der zu sein, der alles sah ... nachsichtig lächelte und sich nicht einmischte, wenn die Sterblichen ihre Fehler machten.“ Nach wie vor leidet Cafferty unter dem Verschwinden seines  Bruders, der wohl einem Pädophilen zum Opfer gefallen war, und Flea unter den Taten ihres Bruders, den sie deckt.

Auf den ersten 200 Seiten zeichnet die Autorin ein Panorama, das unterhaltsam und sehr einfühlsam ist, aber keineswegs spannend. Sie ist Meisterin in der Charakterisierung ihrer Personen, brillant, wie sie die Nöte der Opfer und Mitleidenden schildert. Im letzten Fünftel gelingt es ihr dann, Leserinnen und Leser zu packen und bis zur letzten Seite zu fesseln.
Der Thriller erreicht nicht die nervenzerfetzende Spannung  von „Die Behandlung“  oder „Der Vogelmann“ , schlüssigerweise (dem Genre sei’s geschuldet)  nicht die überwältigende  Qualität ihres allerbesten Romans „Tokio“ , aber er ist besser als „Ritualmord“ und handwerklich authentischer als ihr Horror-Debut „ Die Sekte“. Und - was heutzutage höchst selten ist - der Roman ist so gut wie fehlerfrei. Bravo, Korrektorat.

Mo Hayder „Verderbnis“; geb., 448 Seiten,  Goldmann Verlag
SIL



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