Der Siegeszug fährt fort. Nachdem der Software-Entwickler Daniel Suarez sein grandioses Debut Daemon anonym im Eigenverlag veröffentlicht und prompt die Internet-Gemeinde en gros fasziniert hatte, was endlich einen großen Verlag in die Gänge brachte, bestätigt er nun mit Darknet seine herausragende Konzeption. Dieser 2teilige Cyber-Thriller ist mit Deaver’s Das lautlose Duell und Mezrich’s Reaper – Virus der Todes das non plus ultra in diesem Genre.
Das Computer-Genie Matthew Sobol hatte nach seinem Tod den Planeten mit seinem Virus „Daemon“ infiziert, der die Machtverhältnisse unserer Welt veränderte. Nachdem sich auf blutige und raffinierte Weise herausstellte, dass gegen seine Machenschaften und das sich ständig entwickelnde System kein Kraut gewachsen war
Klammheimliche Freude überkam viele Leser trotz aller Brutalität, dass endlich einmal ein Visionär es den herkömmlichen Machthabern zeigte. Faszinierend die Antizipationen von Sobols System. „Der Daemon ist ein unbarmherziges System zur Errichtung einer dezentralisierten Zivilisation ... die sich beständig regeneriert. Einer Zivilisation ohne zentrale Macht“, deren Geschicke vom Menschen abhängen.
Am Schluss des ersten Teils gewinnt Sobols Post-mortem-Phantom sogar den einsamen Kämpfer und Cop Pete Sebeck für sich, womit er ihn auch vor seiner Hinrichtung rettet. Sebeck ist von Sobols Idealismus nicht so ganz überzeugt. Er wird in den Krieg gerissen zwischen den amerikanischen Geheimdiensten und Söldnern der alten Ordnung sowie den Agenten des Daemon, deren Top-Variante Loki den finsteren Rächer spielt. Mit Sebeck kämpfen auch die Agentin Natalie Philips und John Ross für die selbstbestimmte Entwicklung einer Gesellschaft, die dem Egomanen Sobol vorschwebte, gegen den faschistoiden Major, den Militärführer der Reaktion und dessen Truppen.
Zwischen all dem Gemetzel wird allerdings die Öko-Problematik sichtbar, die die Landwirtschaft zum Schaden der Verbraucher und Produzenten zum Mittel des Industrie-Profits auf Kosten der Natur werden ließ. Schulden, Wasserknappheit und Umweltverschmutzung waren die Folgen. Der Landwirt Fossen, logischerweise dem Darknet, der Bewegung zur Rettung der Gesellschaft beigetreten, erklärt es Ross: „Wir haben letztlich Öl und Grundwasser verbraucht, um kurzfristig die Erträge zu steigern, nur damit die Wall-Street-Investoren das Wachstum kriegen, das sie verlangen. Das ist ein verrücktes System. Es funktioniert nur, wenn man die gesamten Kosten dem Steuerzahler aufbrummt. Der zahlt dann die Agrarsubventionen, die der Agrarindustrie zufließen und die Militärausgaben zur Sicherung fossiler Brennstoffe. (Siehe die US/NATO-Kriege im Nahen und Mittleren Osten.) Im Grunde bezahlen wir dafür, dass die Konzerne die Kontrolle über die Nahrungsversorgung an sich reißen und uns unsere Lebensbedingungen diktieren.“
Schlicht gesagt: Suarez schildert in seinem Cyber-Thriller die Realität. Der zweite Band steht dem ersten in Nichts nach. Dass der Autor das hohe Niveau halten kann ist eine brillante Leistung und macht das Buch zum Knaller des Sommers und darüber hinaus.
Daniel Suarez: „Darknet“, rororo, 478 Seiten, 9,99 €
SIL