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Die Hysterie des Terrors
Sprengkraft
Thriller von Horst Eckert


Der Autor, der schon auf Meriten wie Marlowe- und Glauser-Preise verweisen kann,  fesselt mit zwei Erzählsträngen, die perfekt zum heutigen Diskussionsschwerpunkt passen.


Keine Woche ohne Konfrontation mit dem Begriff Terror.  Regelmäßig werden in letzter Minute Anschläge  verhindert, was verwundert. Es scheint probates Mittel, die Bevölkerung unter Angst zu setzen, um den Rechtsstaat vollends vor die Wand zu fahren. Nicht umsonst zierte sich Schily verzweifelt, den Hersteller elektronischer Fahndungssysteme  als weitere Einnahmequelle anzugeben, in der berechtigten Annahme, dass man dann die Zusammenhänge zwischen  Überwachungszielen und Profit sehr schnell orten könne.

 

Und so zeichnet Eckert ein Panorama, das folgerichtig auf die bestehende oder angenommene Bedrohung durch muslimische Extremisten reagiert. Der PR-Profi Moritz Lemke erlebt  bei der Bewerbung um einen Job im Innenministerium, dass er den  Auftrag erteilenden Beamten schmieren soll. Er wendet sich angeekelt ab, gerät aber in die Fänge der Freiheitlichen, einer neuen Partei, die um den Einzug ins Parlament kämpft und dafür einen PR-Profi benötigt. Lemke sagt zu, obwohl ihn die rechtspopulistischen Ziele der reaktionären Gruppe, die sich natürlich auch auf eine solide Xenophobie gründen, zunächst anwidern. Allmählich findet er sich aber prächtig ein, zumal er mit der attraktive Hoffnungsträgerin und Parteivorsitzenden, der Ex-CDU-Abgeordneten Carola Ott-Petersen, eine Liaison beginnt.

 

Ermittlerin Anna Winkler soll mit ihrem zynischen Kollegen  Martin Zander einen Mordfall an dem marokkanischen Dealer Diouri aufklären, der bereits anderthalb Jahre zurückliegt. Von einem Chef wird Zander mit seinem Verfehlungen erpresst, einen Maulwurf in der Rauschgift-Ermittlungstruppe ausfindig zu machen, der es besagtem Marokkaner immer ermöglicht hatte, dem Zugriff zu entgehen. Dessen jüngerer Bruder  Rafi entspricht sämtlichen Kriterien, die Ermittler und Behörden auf gewaltbereite Muslime anwenden. Frustriert, Frauen verachtend, von einem Eiferer als engem Freund auf die alleinseligmachende Aktion gegen die Ungläubigen angestachelt. Als die Bombe explodiert, fügen sich die Plots zusammen.

 

Hervorragendes Lokalkolorit (Düsseldorf und Umgebung) und eine Hommage an den 6. Teil der Kir-Royal-Serie durch die Schilderung der Faszination von Nazi-Devotionalien etlicher Bonzen. Eckert verknüpft die Handlungsstränge perfekt, ohne auf Klischees zu verzichten. Die Charakterisierungen des zynischen Zander und des PR-Manns Lemke gelingen ihm naturgemäß besser als die der Muslime. Dennoch wirkt die Story authentisch, was Spannung über  400 Seiten garantiert.

 

Horst Eckert „Sprengkraft“, grafit, 414 Seiten,  10,99 €

 

SIL



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