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Ein „Kunststück“
Die Obsession des Leslie Moore
Ästhetischer Versuch von Percy Kemp

Ein ideales Geschenk. Die Seitenzahl wird den Beschenkten, auch wenn er nicht zur Gattung Bücherwurm zählt,  nicht  allzu sehr überfrachten. Es gibt ja Leute, die dicke Bücher scheuen. Hier erleben  wir das Gegenteil. Nun ist das kein Qualitätsmerkmal, zumal die Geschichte interessant beginnt. Da fläzt sich der farbige Geheimdienstmitarbeiter genüsslich auf seinem Sofa, bis dem Leser klar gemacht wird, dass er sich mitnichten wohl fühlt.

Nach einem versucht artifiziellen Intro, dessen „Maniriertheit“ ungeduldigen LeserInnen nach 100 Zeilen auf den Geist gehen wird,  ein Schwenk der verwirrten Art: „Moore fühlte sich also ... rundum wohl. Oder vielmehr nicht.“

Tja, da ist man gespannt, wie’s weitergeht.  Der überzeugte Darwinist will (anders als Michael Jackson im  eigenen Leben) seine Hautfarbe über Generationen erhellen  und sucht sich nach rassistischen Gesichtpunkten eine Frau aus.  „Angela ... wäre   umso  mehr eine ideale Ehefrau, als ihm die Bereicherung seines Lebens durch dieses mediterrane Element gestatten  würde, die afro-angelsächsische Gliederung, die sich bei den Moores seit drei Generationen eingebürgert hatte, zu durchbrechen.“ Wie er feststellt, befriedigt ihn seine bisheriges  Verhältnis erotisch nicht mehr und er versucht, zu ergründen, ob er überhaupt noch sexuellen Reizen erliegen kann.  Das geht so weit, dass er das Licht verlöscht, um nicht von optischen Reizen vereinnahmt zu  werden. Vorläufige Befriedigung erreicht er mit Esther. “Sich shamponieren zu lassen wurde für ihn das Höchste.“ Das ist weder raffiniert, noch sinnlich, allenfalls komisch. Durch seinen Beruf als Geheimdienstmann stößt er auf seine Faszination für Abhörtechniken und versteigt sich allmählich in eine Obsession der totalen Überwachung. „Er selbst war Kamera- und Mikrospion, ebenso objektiv wie sie, seine Augen  Linsen und seine Ohren Wanzen.“ Der Verlag wirbt: „So beginnt eine nicht alltägliche Entdeckungsreise ins Reich der Sinne.“ Wie fast alle Klappentexte schiere Übertreibung  bis auf die Einschätzung „nicht alltäglich“.   
Im günstigsten Fall: L’art pour l’art. Wer dafür Zeit hat...

Percy Kemp: „Die Obsession des Leslie Moore“, Argon Verlag, geb., 170 Seiten, 16,90 Euro

Jürgen Schild


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