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Britische Satire
Das große Schnurrbart-Geheimnis
Spleening von Kyril Bonfiglioli

Bei Büchern, die über jede Kritik erhaben sind, da sich  ihr Autor a priori über sämtliche  handwerklichen Beschränkungen hinwegsetzt, muss man es sich einfach machen. Lieben oder hassen. Darüber kann auch der alberne Titel im Stile Chestertons nicht hinweg täuschen. Der Held lebt  von seinen Maniriertheiten. Eine Propellermaschine als „von verdrehten Gummibändern angetriebenen Absturzflieger“zu beschreiben setzt schon eine gewisse allegorische Qualität voraus.  Seine und damit die Sprache des Romans brilliert, ist eine intellektuelle Masturbation. Wann immer es angebracht scheint oder auch nicht, fallen Bonmots oder lateinische Sätze. Der Held Charlie Mortdecai geht mit Gibbon’s „Aufstieg und Falle des römischen Reiches“ ins  Bett und gefällt sich in den Dandy-Allüren eines Lebemenschen. Sein Hedonismus wird von gehörig Alkohol angetrieben, man könnte auch folgern: er ist ein schwerer Trinker. Bonfiglioli, der mir von Steffen Jacobs authentisch übersetzt scheint, zelebriert seine Sprache als Selbstzweck.

In  diesem Roman ist alles bis  ins Groteske übertrieben. Jock, der Butler des ehrenwerten Mortdecai ist einäugig, einzahnig, und wenn er  grinst, veranlasst dies unschuldige Zuschauer, „sich wie  Schafe zu  zerstreuen und, ihre Kinder umklammernd, in Ecken zusammenzudrängen.“. Der Protagonist und Ich-Erzähler (wie könnte es anders sein bei einer solch selbstverliebten spinnerten Satire) liebt leidenschaftlich seine Frau Johanna, die ihn, seit er sich einen Schnurrbart stehen lässt, stehen lässt. (ja das steckt an)
Eine Oxford-Dozentin ist in ihrem Wagen umgekommen. Man vermutet  einen Mord und betraut den ehemaligen Oxford-Studenten Mortdecai mit den Recherchen.
Der Plot endet im Klamauk, ja, es drängen sich Comic-Strukturen auf, aber es war trotzdem ein rauschhaftes Vergnügen.  

Der letzte  nachgelassene Roman  von Kyril Bonfiglioli († 1975) ist erst 1999 erschienen, als Brown das vorletzte Kapitel nach Aufzeichnungen des Autors verfasst hatte. Bonfiglioli war Kunsthändler, Universitätslehrer, Schriftsteller und Vorbild seines Protagonisten Charlie  Mortdecai: „Ich kann auf alles verzichten, außer auf erstklassiges Essen, noch bessere Getränke, meinen Rolls Royce. Und natürlich schöne Frauen.“
Schade nur, dass man im so  nett  antiquiert  gestalteten  Büchlein  nicht mehr Sorgfalt auf  Rechtschreibung verwendet hat.

Kyril Bonfiglioli: „Das große Schnurrbart-Geheimnis“, 2001, geb., 288 Seiten, 12.90 Euro, ADR

Jürgen Schild



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