Theo Alena ist Lehrer in Hoorn (Nordholland) und verheiratet in Liebe mit Sylvia. Ihr Liebesleben ist durchaus aktiv und fern konventioneller Prüderie. Dennoch wird Theo, den die Mädchen ”Nase” nennen, unwiderstehlich von der Sportlehrerin Iris Pompier aus Surinam angezogen. Als sie sich auf ein Dienstag-nachmittags-Verhältnis einlassen, scheint zuerst jeder mit dieser sexuellen Liaison befriedigt. Theo muss befürchten, dass sein Verhältnis ruchbar wird, schläft häufig schlecht, kann aber damit leben.
Psychologisch einfühlsam schildert der niederländische Autor Joost Zwagermann (*63) die niederen Freuden und Begehrlichkeiten in Partnerschaften. Er seziert seinen Protagonisten messerscharf. Dessen Unbeholfenheit (”Theo blieb liegen, wo er lag, die Beine seltsam geknickt wie ein Skifahrer nach dem Sturz.”) und seine Unsicherheiten: ”Aber öfter wurden Geilheit und Genuß von seiner Gewißheit übertönt, daß sein Körper den ihren nicht wert sei und er ihre Hautfarbe entehre, indem er den weißen Tod in sie hineinschob.”
Seine Komplexe beim Anblick und im Bewusstsein ihres geschmeidigen Körpers führen schließlich zu einer Überreaktion, die die Grundlagen seines Verhältnisses erschüttert. Natürlich wird die Surinamerin in Holland ständig mit Xenophobie konfrontiert, lernt jedoch damit irgendwie umzugehen, indem sie beispielsweise wie eine souveräne exotische Attraktion in ihrer Schule auftritt. ”Ich habe zwei Jahre hart gearbeitet, bis die Käsköppe endlich daran gewöhnt waren, daß eine Schwarze Weißen Unterricht gibt und nicht umgekehrt.”
Theo lässt sich jedoch von den ersten Anzeichen des Spotts provozieren. Karikaturen, die ehemals noch seiner Nase galten, illustrieren nun das geheime Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß auf der Schultafel. Als er Pornofotos farbiger Models auf seinem Schreibtisch findet, dreht er durch. Er fasst einen provokanten Schüler hart an, der sich darauf verletzt. Prompt reagiert das System. Theo wird beurlaubt.
Zwagermann beschreibt in seinen Roman gesellschaftliche Einengungen und die Konfrontation mit dem latenten Rassismus unserer Tage. Selbst, falls diese Xenophobie unterdrückt oder kanalisiert wird, scheint sie doch hämisch aus jeder Ecke hervor zu grinsen, wo der geringste Anlass vermutet wird. Zudem probiert er, sexuelle Faszinationen fernab der Klischees zu vermitteln. Theos Sex mit der Exotin ist geradezu schnörkellos, um nicht zu sagen: bieder. So erklärt Iris orale Praktiken zum Tabu: ”...jede Kreolin mit etwas Stolz ließe sich dort nun einmal nicht lecken oder küssen.”
Jost Zwagermann: ”Die Nebenfrau”, Picus Verlag, Deutsch von Rolf Erdorf, ADR, geb. 278 Seiten
Jürgen Schild