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Bibliothek des Schreckens
Imagon
Kult von Michael Marrak

In der Howard-Phillips-Lovecraft-Bibliothek des Schreckens vom Festa-Verlag spielt der Cthullhu-Mythos eine tragende Rolle. Bisher sind bereits einige wohlfeile Bücher zu diesem Thema erschienen, aber was fehlte, war die Aktualisierung dieses Kults. Dank Michael Marrak (Jahrgang  1965) können sich die Fans von Horror-Literatur nun mit der archischem Vergangenheit unserer Welt befassen, ohne unbedingt in vergangenen Jahrzehnte einzusteigen. Der Roman spielt in der Jetztzeit. Damit gewinnt der alte Lovecraft-Kult eine neue Qualität.

Der Geophysiker Poul Silis ist überhaupt nicht begeistert, als ihn der Leiter des Kopenhagener Niels-Bohr-Instituts dringend  bittet, an  einem Symposion teilzunehmen. Nur dank der Erwähnung seines alten Lehrers  DeFries macht sich Poul lustlos auf. Sein alter Lehrer leitete eine Grönländer Forschungsstation. Außer einigen Wissenschaftlern trifft er auch Militaristen bei der Veranstaltung. Schnell jedoch wird sein Interesse geweckt, hat er sich doch auf geologische  Deformationen, die aus rätselhaften Ereignissen resultieren, spezialisiert. Und was da im Norden passiert zu sein scheint, passt fürwahr in sein Gebiet. Ein Blitz ist beobachtet worden, und man vermutet, dass ein Meteroit  eingeschlagen ist. Es muss etwas Gewaltiges gewesen sein, entsprach doch die Bewegungsenergie des Objektes der von 120.000 Fünfundzwanzig-Kilo-Atombomben. Dieser Einschlag hat Teile einer urtümlichen Tempelstadt freigelegt, die  von DeFries schon seit einiger Zeit untersucht wird. Poul, der Schnee hasst, macht sich auf, um seinen alten Lehrer zu unterstützen. Kaum am Ort angekommen, stellt der Geophysiker fest, dass   die Menschen, die sich mit der Erforschung des Kraters befassen, alle ein bisschen merkwürdig sind. Auch sein Lehrer scheint von einer Besessenheit beherrscht, als müsse er in kurzer Zeit ein unmögliches Pensum schaffen. Die Eingeborenen, als Helfer engagiert, wirken mit ihrem Schamanismus auch nicht gerade  beruhigend. Immer tiefer wird  Poul in die  Schrecken einer längst vergangenen Zeit gezogen, die jedoch sein Leben und das der Welt beinflussen werden.

Mit dramaturgischer Finesse malt der Autor ein Horror-Szenario, das nicht nur eine Verbeugung vor dem Initiator des Kults ist, sondern eine sehr logische Geschichte speist. Der Roman ist spannend trotz seiner üppigen Ausführlichkeit. Da hat kein Epigone zugeschlagen, sondern ein Autor, dessen Faszination vom düsteren Werk des großen Schriftstellers genau in dessen Sinne zu einem Wissenschaftsthriller mutiert ist. Zugleich eine perfekte  Werbung für  die  Geschichten des Mythos und alle von ihm faszinierten Leserinnen und Leser.

Michael Marrak: „ Imagon“, Fest-Verlag, geb., 416 Seiten, 21 € , NDR

Jürgen Schild



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