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Ein Lolita-Roman
Hotel Iris
Von Yôko Ogawa

Das Titelbild illustriert den Roman einer Obsession. Die Liaison spielt sich in einem japanischen Seebad ab, wo die 17-jährige Mari ihrer nervigen und tyrannischen Mutter bei der Führung des kleinen Hotels Iris helfen muss. Dort wird sie eines Nachts wach, weil ein Gast Streit mit einer Nutte bekommt, aber souverän reagiert. Sein stilvoller Befehlston imponiert Mari und als sie den Mann wieder sieht, beobachtet sie ihn bei einem Einkauf sehr genau. Er merkt, dass sie ihm nachgeht und spricht sie an. Sie setzen sich an der Anlegestelle zusammen und unterhalten sich befangen. Der Mann ist Russischübersetzer und lebt auf einer vorgelagerten Insel in einem kleinen Haus. Für ihre Mutter strickt sie ein Alibi mit einer fiktiven älteren Dame, der sie beisteht, um sich fortan regelmäßig mit dem alten Mann zu treffen. Als sie bei einem ihrer Treffs in einem besseren Restaurant abgewiesen werden, schmiedet sie diese Beleidigung noch mehr zusammen. Als er sich ihr endlich nähert, ihr befiehlt, sich auszuziehen, wehrt sie ihn ab: Doch sie registriert sehr wohl ihr Gefühl: „Meine Worte standen in völligem Gegensatz zu meinen Gefühlen. Ich wünschte, seine Befehle wären noch härter und brutaler.“ Schließlich ergibt sie sich ihm: „Doch sobald der Schmerz meine Haut endlich durchdrungen hatte, durchströmte mich ein überwältigendes Lustgefühl.“

Die Geschichte bezieht ihrer Reiz durch die Diskrepanz zwischen den Alltagsituationen, die die beiden altersmäßig so verschienen Personen in all ihrer Biederkeit und Langeweile durchleben und der sexuellen Unterwerfung, die sie genießt. Als er sich mit Softeis bekleckert, denkt sie: „Eigentlich müsste es einfacher sein, ein Softeis zu essen als mich nackt zu fesseln. – Diese Bewegung war so anmutig, dass ich drüber fast die Schmerzen vergaß, die die Peitsche mir zufügte. – Ich schwelgte in den Qualen und Erniederigungen, die der Mann mir zufügte.“ Irgendwann überrascht er sie mit dem Besuch seines Neffen, für den er fast eine Affenliebe hat. Der Neffe ist stumm und schreibt auf Zettel zwecks Kommunikation. Sie lädt ihn zu einer Liebesnacht ins Hotel ein.

Yôko Ogawa: „Hotel Iris“, dtv, 224 Seiten , 7,90 EUR


schi


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