Suspense vom Feinsten
Kein Lebenszeichen
Thriller von Harlan Coban
Ein Spannungserzeuger der Güteklasse A. Coban, der alle relevanten Krimi-Preise in Amiland abgeräumt hat, ist mit diesem Roman endgültig in die Klasse eines Deaver vorgestoßen. Zumal er neben seinen dramaturgischen Plots eine psychische Darstellung mancher Charaktere geleistet hat, die einen fragen lässt: Weshalb braucht die geschätzte Elisabeth George für ihre drei Gestalten 700 Seiten. Coban gelingt die Illustrierung seiner wesentlichen Personen mehr durch die Handlung als durch Beschreibung. Darin liegt seine Kunst und Stärke.
Ein Krimi, besser Thriller, der ungemein spannend ist und uns vor dem Klischee Serienmörder bewahrt. Dieses inflationäre Genre hat Coban elegant umschifft. Er hilft sich allerdings mit einem Trick, den er schon mal verwendet hat. Der Protagonist Will verliert seine Geliebte und das gleich im mehrfachen Sinn. Dazu kommt nun noch der Verlust seines geliebten Bruders. Dieser Ken ist vor 11 Jahren verschwunden, nachdem seine Spur am Tatort eines Mords verlief. Julie war das Opfer und auch eine ehemalige Freundin von Will. Man fand am Tatort auch das Blut von Ken, was die Polizei jedoch nicht von ihrem Verdacht, dass er der Mörder war, abzulenken scheint. Harry jedoch ist felsenfest überzeugt, dass sein Bruder unschuldig ist. Nach der Beerdigung seiner Mutter häufen sich die Beweise, dass Ken noch lebt. Ein Psychopath, der „Ghost“, der beide Brüder kannte, bedroht Harry und sein neues Glück, dass er in seiner Liebe Sheila gefunden hat. Nachdem Sheila urplötzlich verschwunden ist, muss er sich auch der Verdächtigungen des FBI erwehren. In seiner Not kann er nur Zuflucht bei seinem Arbeitskollegen, dem Streetworker mit Herz, Shanners, finden.
Wie schon beim letzten Roman „Kein Sterbenswort“ fiebert der Leser bis zum Schluss, wo Coban vielleicht des Guten zu viel tut, indem er einen von Suspense zu Suspense jagt. Aber ein grandioser Schmöker.
Harlan Coban : „ Kein Lebenszeichen“, Goldmannn, 448 Seiten 8,90 EUR
Jürgen Schild