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Charakterspiel
Der Duft des Bösen
Krimi von Ruth Rendel

Ihr Ruf als große Dame der englischen Kriminalliteratur ist unangefochten.  Die vorliegende Geschichte wird keine LeserInnen befriedigen, die vom Krimi Action, Spektakel oder simple Ermittler-Identifikation erwarten.  Wie in vielen Romanen von Rendel und ihrem alter ego Barbara Vine ist die Entwicklung und Umgebung des Verbrechens Erzählschwerpunkt.
Dichte Atmosphäre trotz aufwändiger 446 Seiten.  Eigentlich das ideale Sujet für ein Theaterstück. Obwohl einige Londoner Straßen und Plätze vorkommen, spielt sich das Krimidrama in einem hermetischen Rahmen ab. Inez, die in der Star Street einen Antiquitätenladen führt, in diesem Haus auch wohnt, lebt in engem Kontakt zu den Mietern. Da ist der zurückgebliebene, blendend aussehende Will, der von seiner Tante Becky betreut wird, Freddy Perfekt, der als Besucher seiner Freundin Ludmilla mehr Profil in Inez’ Laden zeigt als die Mieterin sowie der oben wohnende Jeremy Quick, der seinen Tagesablauf mit einer Tasse Tee im Antikladen beginnt. Dort assistiert die wunderschöne Exotin Zeinab, die perfekte Verkäuferin und Herzensbrecherin. So sammelt sie von einigen Herren, u.a. dem spleenigen Morton Phibling, Schmuckstücke als Verlobungsvorschuss ein.

Inez, die sich nach dem Tod ihres Mannes, des smarten Darstellers eines  Serien-Inspektors,  bemüht, ihr regelmäßiges Seufzen einzustellen, nimmt mit ihrer Assistentin regen Anteil an einer Mordserie. Junge Frauen, die aufs Erste keinerlei Verbindung zu haben scheinen, werden von einem Mörder mittels Garotte erwürgt. Ein Biss trug ihm den Namen „Rottweiler“ ein. Der oder die Mörderin nimmt sich immer eine kleine Trophäe in Form eines Ohrrings, Feuerzeugs oder Kreuzes mit, bei dem es  nicht auf den Wert  ankommt. Die Gesellschaft um Inez wird aufgeschreckt, als in ihrem Laden das Kreuz gefunden wird.

Die feine Charakterstudie beinhaltet auch die Entwicklung des Mörders und seiner Obsessionen. Eine kriminalpsychologische Geschichte, die dank des sicheren Erzählstils bis zum Ende unterhält.  

Ruth Rendel: „Der Duft des Bösen“, Blanvalet, 446 Seiten, geb. , 19,90 EUR

Jürgen Schild


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