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Feindbilder
Schilds wöchentliche Kolumne

Die böse DDR. Es hört nicht auf. Wie fertig ist ein Staat, wenn er immer nach alten oder neuen Feinden suchen muss. Wir erleben das anschaulich in den USA, die in der Welt mittlerweile so beliebt sind wie die Pest. Dabei gibt es eine klare Stringenz von Hiroshima bis Kyoto und Abu Ghoreb. Aber selbst hierzulande gehört das Diffamieren gerade in Wahlkampfzeiten zum politisch-gesellschaftlichen Umgang. Die „Schande“, mit der DDR ein weltweit anerkanntes Staatsgebilde als Nachbarn gehabt zu haben, sitzt immer noch tief. Stasi-Keule, SED-Verdacht, die albernen Versuche, den integren Markus Wolff, der allein schon besser war als unser Nachrichtendienst, zu entrechten und die endlosen Verfolgungen vieler Sportler und Betreuer, die sich nicht zu unserem System bekennen, sind Lehrbeispiele. Dabei war man doch nur neidisch, dass die DDR die Medaillen einheimste. Aber sobald sie für uns antraten, ob Kirsten, Ullrich oder Krabbe, war’s nicht mehr so schlimm. Dann sind sie ja konvertiert. Wenn bei uns das Dopen nicht reicht, verschiebt man ganze Spiele. Von Schalke bis zur Wettmafia, auch eine Tradition, vor allem das monatelange Deckeln zuvor.

Zurück zum Feinbild DDR/SED/PDS. Schlimmer Vorwurf: alte Seilschaften. Ausgerechnet unser Industrie-System, das von von Flick bis Pfahl immer wieder seine Korruption unter Beweis stellt, politisch flankiert von Lambsdorff bis Schäuble, der 100 000 übersehen hat, und immer noch mitquatscht, kritisiert Verbindungen. Natürlich musste ein CDU-Innenminister darauf kommen, dass schreckliche Verbrechen (wie die Babymorde)  dort entstehen, wo die Zuwendung fehlt. (Mit Zuwendung ist jetzt keine Bestechung gemeint). Schönbohm wörtlich: „In totalitären Staaten war die Wertevermittlung klein geschrieben.“ (Die hatten auch keine neuen deutschen Rechtschreib-Probleme wie wir seit 10 Jahren). Welche Werte meint wohl ein CDU-Mann? Christliche? Diese Partei, die alles dafür tut, den Menschen dem Kapital auszuliefern, also seiner totalen wirtschaftlichen Verwertbarkeit, alles auszusondern, was nicht stark und profitabel ist? Totgrün hat den Boden dafür bereitet. Schönbohm kennt wahrscheinlich nicht die neuste US-Studie der Uni von Iowa noch nicht, wonach gefühlskalte Menschen die besseren Investoren seien. Das ist doch ideal für unser System, oder? Aufschwung im Winter und jeder dealt selber.



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