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Kanzlerin gibt Richtung vor
Trippeln, aber richtig
Schild's Wochenkolumne
Alles Gute im neuen Jahr. Und lassen Sie sich nicht von den Parolen unseres politischen Personals belästigen. Die Kanzlerin setzte in ihrer Neujahrspredigt Köhlers Ansätze fort: „Wie wäre es, wenn wir uns heute Abend das Ziel setzen, im kommenden Jahr überall noch ein wenig mehr als bisher zu vollbringen.” Die Raucher kennen so was. Aber wir erwarten von unseren PolitikerInnen mehr als die ständige Aufforderung, uns auf Opfer, Sozialmangel oder Einkommensminderung einzustellen. Wir erwarten Ideen. Dazu meint sie: „Deutschland ist das Land der Ideen. Aber von unseren Ideen leben - das können wir nur, wenn wir sie auch in die Tat umsetzen.” Das ist ein beängstigender Realitätsverlust. Und weiter: „Fangen wir einfach an - ab morgen früh.” Ja, so ganz locker, noch ne  sinnlose Ich-AG, Ein-Euro- und 400-Euro-Jobs  für die Statistik. Überflüssige AB-Maßnahmen; das waren die Ideen unserer Politiker, die dann bei Hartz IV feststellten, dass sie sich verkalkuliert hatten. Und so soll’s weitergehen, stammt doch das Personal aus dem gleichen Pool. Und konsequenterweise heißt es weiter, auch die Bundesregierung wolle viele kleine Schritte gehen, „aber in die richtige Richtung.“. Das hätten wir nun wirklich nicht vermutet. Wir dachten an kleine Rückwärtsschritte. Der Ideenreichtum wird offenkundig in diesen gebetsmühlenartig verbreiteten Trotzbekundungen wie „Unser Land in zehn Jahren wieder an die Spitze Europas zu führen.”
Das ist aussichtslos bei Leuten, denen zur Binnenprosperierung eine Erhöhung der Mehrwertsteuer einfällt. Politikern, die den Energiemarkt nicht geregelt kriegen. Von Gerechtigkeit oder sinnvoller Steuerreform ganz zu schweigen.
Nein, der Westen und ganz besonders Deutschland verwalten ihr Siechtum, und das ganz ohne Charme. Die motivierten Nationen Asiens laufen uns den Rang ab.  Das läuft ähnlich wie im Fußball, wenn die Gegner mal erkannt haben, dass die Deutschen bis auf etwas Disziplin und Kampf nicht viel zu bieten haben. Und wenn dann noch das Losglück fehlt wie bei der letzten Bundestagswahl … Trotzdem: Ein bisschen Freude in diesem Jahr.


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