Wir haben die Politiker, die wir verdienen und - als wisse der Bundespräsident das – wünschte er den Bürgern ein beliebiges Weihnachtsfest oder genauer: ein Christfest, je nach Typ, turbulent oder besinnlich. Und natürlich fehlten die üblichen Parolen nicht, um die Deutschen auf Opfer einzustimmen, wonach unser Land große Aufgaben vor sich habe, um wieder die Nummer Eins zu werden. Ja, warum das denn? Und mit welchem Personal? Konkret und peinlich wird’s dann: „Wir wollen Fußballweltmeister werden.“ Also die alte Leier: Brot und Spiele. Nur mit dem Brot hapert’s noch, der sozialen Versorgung; deshalb sollte auch jeder Weihnachten feiern, wie es ihm beliebte: Sekt oder Selters.
Er grüßt auch die Soldaten, die fern der Heimat für Sicherheit und Frieden sorgen. Damit meint er auch die Soldaten, die amerikanische Flanken sichern, was der westlichen Welt aber im Leben keinen Frieden bringt.
Und all diese Worthülsen in der Diktion eines Märchenerzählers oder eines Menschen, der auf bildungsunfähige oder intellektresistente Personen einredet. Früher sagte man: Auf ein krankes Pferd. Insofern war der Bundespräsident glaubwürdig. Aber eigentlich kann man solche Ansprachen nicht mehr ernst nehmen. Wir brauchen sie auch nicht. Sie sind der Anachronismus einer Zeit, als ein Bundespräsident noch als Autorität wirkte und nicht das sture Ergebnis des Parteienproporz’ war. Vielleicht legen wir ja zum Neuen Jahr noch mal Kohls Kassette ein. So zur Unterhaltung.