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Recherche in Barcelona
Das Beste, was einem Croissant passieren kann
Satire von Pablo Tusset

Der Schelmenroman hat Hochkonjunktur. Und so macht Pablo Tusset bereits mit seinem verqueren Titel deutlich, dass es hier um die höchstpersönliche Sicht des Ich-Erzählers  Pablo José Miralles geht. Dieser wächst dem Leser und der Leserin trotz (oder gerade deshalb?) seines Schmarotzer-Daseins ans Herz. Der Mann hat nichts zu tun außer Sohn zu sein, und  gefällt sich in seinem Hippie-Lebenstil ohne Verantwortung, nur den primären Bedürfnissen wie Vögeln, Fressen, Saufen und Kiffen (die Reihenfolge scheint beliebig) verpflichtet: “Ich saufe wie ein Kosak, gehe zu den Nutten, schlafe tagsüber und kriege Pickel bei der Vorstellung, acht Stunden am Tag arbeiten zu müssen.“ Ganz im Gegensatz zu seinem alerten Bruder, der in die väterlichen Fußstapfen profitabler Unternehmungen eingestiegen ist.

Als sein Bruder ihn um 13 Uhr Mittag weckt, gibt er ihm den Auftrag, ein Gebäude zu beobachten und dessen Besitzer ausfindig zu machen. Dafür stellt er ihm 50 000 Peseten in Aussicht. Pablo geht erstmal in seine Stammkneipe zu Luigi, bevor er sich um das Haus  an der Jaume Guillamet 15 kümmert. Urplötzlich zieht sein Bruder den Auftrag zurück. Sein Vater ist  von einem Auto angefahren worden, dann  verschwindet sein Bruder und selbst Pablo ist nicht so naiv, das alles für Zufall zu halten. Mit Rückendeckung seiner ungeliebten Schwägerin und  der Kreditkarte seines Bruders beginnt er die Recherche nach dessen Aufenthalt. Es dauert nicht lange, da wird er trotz der fürsorglichen Überwachung durch die Gorrillas seines Vater auch von Unbekannten bedroht.

Alle drei Seiten konsumiert Pablo einen Joint und  gibt Betrachtungen zum Sexualleben kund. Er assoziiert sich so durch seines Lebensgeschichte und  seinen Fall. Zu seinen  Stilmitteln gehört auch das Schildern von gewollt surrealistischen Träumen nach jedem alkoholischen Exzess. Und letztere häufen sich. Brillant ist die Schilderung eines außergewöhnlichen Bordells, dessen Reiz sich aus der Spanner-Sicht offenbart. 
Das Lokalkolorit Barcelonas trägt wesentlich zum Genuss  des Romans bei. Doch
hätte man sich ein Lektorat gewünscht, das die zahlreichen Bezüge zur spanischen und katalanischen Gegenwartskultur erläutert. Der Autor bereitet sich zurzeitauf seinen „nächsten Anschlag auf den bürgerlichen Geschmack“ vor.

Pablo Tusset: „Das Beste was einem Croissant passieren kann“, Frankfurter Verlagsanstalt, geb., 384 Seiten,  19,90 Euro

Jürgen  Schild



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