Kofi kurbelte am Internet für alle
Freiheit, Bildung, Handel
Schild's Wochenkolumne
Kofi Annan, normalerweise vom Elend der Welt gezeichnet nicht gerade zum Strahlen aufgelegt, war zuletzt mit einem Lächeln vor die Presse getreten, das an ein Kind beim Geschenke-Auspacken erinnerte. Das glückliche Lächeln über ein spaßiges Spiel. Er drehte an der Kurbel des neuen Dritte-Welt-Computers, der die Entrechteten und Bedürftigen künftig mit dem Internet und den Informationsmöglichkeiten der Welt verbinden kann. Und zwar für 100 Dollar. In diesem Zusammenhang wurde häufig auf weltweite Geschäftsabschlüsse von 9 Prozent via Internet verwiesen. Abstrus. Soll uns wohl suggerieren, dass der Büffelhirte in Somalia künftig sein BSE-freies Filet in der EG per Email anböte.
Nun wird das Internet gerne als anarchistische oder zumindest demokratische Bastion aufgrund seiner Reglementierungslosigkeit bezeichnet. Aber ist es das? Beim deutschen Katholikentag wurden die Seiten sexuell anders ausgerichteter Bürger geblockt. Die Düsseldorfer Bezirksregierung ließ schon Seiten sperren, natürlich um Kriminalität zu verhindern – klar. In Thailand, dem „demokratischen“ US-Aushängeschild in Asien werden kritische Internetstimmen (die Presse allzumal) von Premier und Medienmogul Thaksin niedergeklagt. In Tunesien und China, aber auch in vielen anderen Ländern werden Internetuser behindert und sogar belangt.
Anzunehmen, dass kommerzielle Unternehmen wie Yahoo Interesse an Entwicklung oder Gewährleistung einer freien Informationsgesellschaft hätten, entspräche dem Glauben an den Weihnachtsmann. Es geht genau so lange gut, bis ihre Profitschiene in Gefahr gerät. Und dann ist Schluss.
Folglich wird es nicht verwundern, dass Yahoo Mails eines Regimekritikers an dessen Verfolger weiterleitete oder bei Google manche Seiten schlicht nicht mehr auftauchen, weil sie nicht konform genug sind. In einigen Redaktionen wird Googlen schon lange mit Recherche verwechselt. So schließt sich dann der Kreis oder der Informationsfluss.