Sollten Alterspräsidenten weise sein? Zumindest. Aber als Schily nun in seinem typischen Notar-Geleier den “toleranten Weltgeist” als Korrektiv beschwörte, wurde es komisch. Was immer aus Sicht eines sich global gebenden Innenministers damit auch gemeint sein kann. Der tolerante Weltgeist kommt eben nicht vom Himmel geflogen, um Schilys (beabsichtigte) Auffanglager in Nordafrika zu befreien. Was Schily unter Toleranz versteht, war kürzlich der Cicero-Affäre (einem Angriff auf die Pressefreiheit) zu entnehmen und wurde von seinem Boss Gerhard Schröder in einem Machtanfall mal so definiert: “Das ist mein Fouché.” Dieser französische Polizeiminister überstand locker drei Regime. Nicht aus Toleranz, sondern aus Opportunismus. In diesem Amt zählt nur die Staatsräson, die Kontrolle der Untertanen. Schily hat so gut im Rechte-Abbau vorgesorgt, dass Schäuble sich entspannt zurücklehnen könnte. Aber er wird sicher noch was Rechtes gestalten wollen.
Bei uns wird zu oft die Demokratie beschworen. Die hat schon beim Respekt für den Dichter Stefan Heym versagt, als sich etliche Scheindemokraten bei dessen Antrittsrede als Alterspräside abwandten. So tief sitzt der Hass auf die ehemalige DDR, dass er nun Jahre später auch noch Bisky trifft, dem die Anerkennung als Vizepräsidenten zunächst verweigert wurde. Die von den Vereinten Nationen anerkannte Alternative zur Bundesrepublik ist für die ewig Gestrigen immer noch eine nationale Schande. Wieder vereint? Es wird wohl noch Generationen dauern.