Lasst Klinsi in Ruh
Falsche Hoffnung
Schild's Wochenkolumne
In der letzten Woche gab es für die Fußballfans in unserem Lande eine willkommende Abwechslung zum faden Pöstchen-Geschiebe der Großen Koalition. Die unwichtigste Hauptsache der Welt hatte sie in ihren Bann geschlagen. Und siehe da, zwei schlechte Vorstellungen unserer Kicker und aus dem tiefsten Süden des Landes krochen die Fußballsachverständigen wie Beckenbauer und Hoeness hervor, um Klinsi zu kritisieren. Es war klar, dass sie ihm das längst überfällige Freistellen von Sepp Maier nicht vergessen werden. Ansonsten sollten die CSU-Fußball-Obmänner doch dankbar und froh sein, dass dieser verstaubte DFB, der schamlos seine Kicker im folternden Argentinien singen ließ, einen Sonnyboy wie Klinsmann gefunden hat. Der nette Blonde wird nicht so naiv sein, ernsthaft anzunehmen, dass Deutschland eine reelle Chance auf den Titel hat und falls doch, schadet’s auch nicht. Aber er tat in seinem amerikanischen Optimismus genau das Richtige, indem er überbezahlte Stars durch eine klare Zielvorgabe zumindest bei ihrer Ehre packte. Natürlich kann er nicht in einem Jahr die Nachwuchsarbeit des DFB’s revolutionieren. Die Ausbildung junger Leute überlies man jahrelang Zerstörer-Typen wie Berti Vogts. Kein Wunder, dass in den 10 Jahren danach der deutsche Fußball allenfalls durch Losglück, Disziplin und Kampf von sich reden machte. Konsequenterweise sind nahezu alle Kreativen (Van der Vaart, Micoud, Lincoln, d’Allesandro, Marcelinho, Rosicki, Krupnikowic etc) in diesem Land Ausländer. Und selbst Ballack, ähnlich überschätzt wie einst Rummenigge, wurde schließlich in der DDR ausgebildet. Umso ärmlicher, wie verbohrt Fußballreporter (das sind die Kollegen, die mit 500 Worten auskommen) diesen soliden Mittelfeldspieler in den Olymp der Fußballkunst heben wollen. Auf dieser Position gibt es in Frankreich fünf bis sieben bessere. Schaut man sich das Spielerreservoir unseres kleinen Nachbarlandes Niederlande nur mal auf der Goalgetter-Position an, wo bei uns das einsame Talent Podolski um seine Form ringt, wird einem Angst und Bange. Und wenn Ballack endlich nach England geht (die stärkste Liga sei ihm gegönnt zwecks Selbstfindung), wird er sich noch mal zurücksehnen nach dem deutschen Schiedsrichter-Bonus, der seine Schwalben, rüden Attacken und das lästige Gemeckere toleriert. In England ist er einer unter vielen, und dieses Risiko scheut er zurecht. Sollte er geläutert zurückkehren, kann er sich an der Wand eines Hamburger Hotels an seinem Konterfei auf SchwarzRotGold erfreuen. Falls es aus nationalen Gründen nicht überpinselt wurde.