Alle wollen Kanzler werden
Benneter: Mediale Wucht
Schild's Wochenkolumne
Da wartet man mit diesem Wort bis zur Erklärung von CDU und SPD, und es ist reine Zeitverschwendung. Es ginge uns sicher besser, wenn wir künftig diese Erklärungen und den ganzen Wahlk(r)ampf ignorieren könnten. Denn rausgekommen ist wieder nichts. Sinnlose Debatten, ob eine Partei, die sich des bayerischen Anhängsels strammrechter Prägung seit Jahrzehnten als Stimmenbeschaffer bedient, und dann behauptet, sie sei die größte, nun den Anspruch hat oder die Partei, die ohne Schwestergruppierung schlicht die größte ist. Verloren haben sie beide. Wenn auch SPD-General Karl Uwe Benneter noch mal klarstellte, dass die „mediale Wucht“, eine schwarz-gelbe Mehrheit herbeizureden, bei der Mehrheit der WählerInnen ins Leere gelaufen sei. Natürlich hat er Recht (das schreibt nun auch die FAZ) wie auch der Kanzler, der dies Wahlergebnis in emotionaler Aufladung als demokratische Emanzipation gegen „Mediengewalt und Medienmanipulation“ definierte. Aber beide wissen, dass sie langfristig gegen die „rechtlichen“ keine Chance haben. Obwohl die sich prächtig blamierten. Der Franzose sagt: „Qui s’excuse, s’accuse“, also „Wer sich verteidigt, klagt sich an“ und so war es bezeichnend, wie die Sendeanstalten erklärten, dass sie objektiv und neutral seien. So was erzähle man den Struckdummen der Nation. Aber die ewig Gestrigen, die glauben, Wachstum, egal wohin, wäre das einzig selig machende, bestimmen nun wieder die öffentliche Meinung, fordern die große Koalition, und die Politiker zappeln unter diesem Auftrag munter weiter. Schließlich ist so die endgültige Transformierung unserer ehemals sozialverantwortlichen Gemeinschaft in den Neoliberalismus und die Tagelöhner-Gesellschaft am leichtesten zu exekutieren. Einem klugen Buch verdanken wir die Erkenntnis, dass nach erfolgter Globalisierung 80 Prozent der Arbeitenden überflüssig sind. Genau dahin soll’s gehen. Da überkommt einen jetzt schon das Grausen. Doch diese Zahl ist nicht Talkshow-kompatibel.
Kommen wie lieber zu Erfreulichem: Es gibt noch Samariter in der Industrie. Porsche rettet VW vor Übernahme durch feindliche Ausländer oder feindliche Übernahme durch Ausländer. Jedenfalls drohte Schreckliches. Nur schade, dass Porsche so lange gewartet hat. Denn in den letzten Monaten ist die VW-Aktie um 20 Prozent gestiegen. Man rechne sich den Preisanstieg bei 3 Milliarden Kaufsumme aus. Nun, Porsche hat sicher was davon wie VW. Vielleicht klappt’s doch noch mit dem Hybrid-Antrieb, bevor ihn alle Koreaner haben.