Kampagnen gegen Links
Auf sie mit Gebrüll
Schilds Wochenkolumne
So spannend wie erschreckend ist die Einigkeit, die sich angesichts einer neuen „linken Gefahr“ im Lande bildet. Die Pressekonferenz der WASG und PDS mit Sodann war da ein Musterbeispiel. Solch kritische Fragen traut man sich nie beim Kohl oder Schröder-Köpf. Waren engagierte Kreise anfangs bestrebt, einen Keil zwischen die beiden Gruppierungen zu treiben, versucht man nun nach Misslingen die funkelnden Medien-Spitzen Gysi und Lafontaine zu diskreditieren. Da darf jeder mitmachen. Bild veröffentlichte die (falsche) Krankenakte Gysis, die hübsche Claudia Roth, von Abtritt zu Abtritt schriller, sprach von zwei älteren Herren, die aufgeben, wenn’s schwierig wird. Das sollte sie mal besser, die vor dem Parteitag heulte, als sie kein Doppelmandat bekam. Wir wiederholen das, weil es pädagogisch sinnvoll ist. Von ihr stammt nämlich das Unwort „Krokodilstränerei“, getreu Pisa-Studie.
Die SED-Keule schwingt man ständig. Nazi-Vergleiche kommen auch wieder hoch, teilweise mit faden Entschuldigen nach vollbrachter PR-Arbeit. In einer rheinischen Zeitung war zu lesen: „Lafontaine lebt auch gerne auf großem Fuß. Er residiert in einer Villa, steigt gerne in großen Hotels ab und sein Sohn besucht eine Elite-Schule.“ Donnerwetter. Das ist ja ganz groß und immer gerne. Dieser Mensch sollte wohl auf Knien und in Lumpen zur Wahlurne kriechen. Lustig ist auch, dass im Umfeld solcher Zeitungen seit langem ein diffuser Elite-Gedanke gepflegt wird. Netzer lebt übrigens auch auf großem Fuß. Hätte nur gern gewusst, ob dieses Hotel viele Stockwerke haben muss und wie viele oder ob das Grundstück groß sein soll? Also viele Zimmer in der Breite. Dann würde ich Djerba empfehlen. Die Hotels sind nicht so hoch, aber ihr Grundriss ist enorm. So hilft uns die Presse über den Tag.