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Eine Woche Glück durch Papstbesuch
Heile heile Gänschen
Schilds Wochenkolumne

Ein bisschen Friede, ein bisschen Ruhe und grenzenlose Fröhlichkeit. Jubel und Huldigungen in allen Gazetten. Heile Welt in wunderbar österlichen Farben und prächtigen Ornaten. Hosiannah. Wenn der Papst heiliger Vater heißt, ist es um Differenzierungen geschehen. Die Nachrichtenlage scheint ausgelassen. Die letzten fünf Tage verbrachte das Land in einem Euphorisierungstaumel ohnegleichen. Keine Probleme, keine Sorgen mehr. Präsident Köhler spricht von gerechter Gesellschaft, Freiheit und Solidarität. Junge Menschen schauen verträumt drein, als bewegten sie sich schon längst in einer glücklichen Zukunft. Freude allenthalben. Man möchte dem Papst zurufen: „Benedikt, bleib hier und alles wird gut.“ Und inmitten dieser zufriedenen Welt erteilt der Papst der Spaßgesellschaft eine Abfuhr. Und damit befindet er sich in fundamentalem Einklang mit den Islamisten, die den Westen als 24-stündigen Amüsierbetrieb definieren. Also sind die Religionen gar nicht so verschieden wie sie sich einbilden. In Altarnähe waren Frauen zu sehen, von denen nicht viel mehr als das Gesicht zu erkennen war. Die brauchten kein Kopftuch mehr. Übrigens sind die Christen toleranter als manche annehmen, beten sie doch den Sohn einer anderen Glaubensgemeinschaft an. Pinchas Lapide formulierte es klar: „Das Christentum ist die einzige Weltreligion, deren Stiftergestalt zeitlebens einer anderen Religion angehört hat.“

Also weiter mit der schönen neuen Welt des gemütlichen Beisammenseins. Vergessen ist die Verantwortung als Chefideologe des letzten Papstes – oder wie die Kritiker auch sagen Großinquisitor  –  für die Millionen Menschen speziell in Afrika, die sich mit Aids infizieren, weil die Kirche ihnen Kondome verbietet. Vergessen auch die gefährlich zwanghafte Kupplung der Sexualität, des wohl wichtigsten Gefühls Heranwachsender, an Ehe und Zeugung. Vergessen wir auch, dass sexuell anders orientierte Menschen und ihre Bedürfnisse aus den Webseiten des Weltjugendtags  entfernt wurden  und und und. Wir werden stattdessen hübsch weitergebildet mit interessanten Nachrichten, wie viel PS ein Papamobil hat.  Nun, der Taumel ist schon mal ne gute Vorbereitung auf die WM-Hysterie; zumal das mit den Großleinwänden sicher verbesserungsfähig ist.

Jürgen Schild



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