Wort am Montag
Keine Chance
Schilds wöchentliche Kolumne
"Ich hatte die besten Betreuer," sagt Armstrong und hat Recht. "Ich möchte noch mal mit einem anderen Sponsor die Tour gewinnen, was bisher nicht möglich war", sagt Winokurow und hat Recht. Auch wenn das T-Mobile nicht gern hört. So ist es. Als Wino allen davonfuhr und auf der Kuppe des Bergs vor der rasenden Abfahrt Wasser brauchte, war der Materialwagen von T-Mobile nicht da. Und sollte Basso (CSC) im nächsten Jahr gegen Jan antreten, werden das Team und die Taktik und die Intelligenz entscheiden. Und da ist CSC mit Bjarne Rijs der Favorit.
T-Mobile kann sich noch ne paar Klödens kaufen, es wird nicht helfen. Die sind zu satt. Wahrscheinlich steckt da noch die alte Postbeamten-Mentalität drin. Wer die Führungsarbeit von Armstrongs Team bobachtet, kriegt schon Respekt vor der blauen Phalanx. Die Franzosen sagen "train bleu". Und dahinter dröppelt son bisschen Magenta durch die Lande. So kriegt man keinen Kämpfer wie Armstrong klein.
Hätte man auf Winokurow als Kapitän gesetzt, wären die Aussichten besser gewesen. Denkt man schon an diese nervende Gerangel mit Rudi Pevenage, Jans Coach, weiß man, dass das sportliche Ziel bei diesem Team nie direkt angesteuert wird, allen Beteuerungen zum Trotz. Zumal ihr erklärter Favorit Jan eh immer belastet ist, ob mit Übergewicht, Trainingsrückstand, Freundin, Disco oder kleinkarierter Bescheidenheit. Haben wir je von Armstrong gehört, dass sein Team Blödsinn macht? Nein, und als sie ihn kürzlich allein durch die Berge fahren ließen, wer fehlte, um das zu nutzen? Magenta.
Ein Team, das so hochtalentierte Leute wie Ullrich, Klöden, Winokurow, Guerini hat, dass es sogar auf den treuen Kämpen Zabel glaubt verzichten zu können, entwickelt in der gesamten Tour nie eine Erfolg verheißende Strategie. Da war Ullrich bei Bianchi noch in besserer Form. Da konnte er nicht auf die PR in Magenta zählen und kämpfte mehr.
Was will T-Mobile auch mehr als ununterbrochene Werbung auf den öffentlich-rechtlichen Sendern? Die machen das gerne mit als krampfhafte Spannungserzeuger. Und das seit Jahren. Das klappt nur, weil man mit der totalen PR-Maschinerie vorgibt, Jan hätte gegen Armstrong eine Chance.
Die hat er nicht. Und das wird spätestens in der ersten Woche deutlich. Armstrong schlug Ullrich erneut in dessen Paradedisziplin, dem Zeitfahren. Und zwar ganz locker, weil er mal ne Etappe gewinnen wollte. Der Sinn des Ganzen? Frankreich ist ein schönes Land. Das ist eher zu beneiden als die Siege des Klons. Oder ist er doch echt?