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Wer schläft bei Borussia am längsten...
Eberls Tunnelblick
Funktionäre gefährden Erfolg
Es hätte eine wunderbare Saison werden können. Nach dem Wunder der Rettung, gefestigt und entwickelt von ihrem brillanten Trainer Favre, ist der Tabellenplatz Borussias zu Beginn der Rückrunde keineswegs Zufall. Im Gegenteil: jeder Punkt ist verdient.

Bis auf ein wenig Glück in Berlin, hatte sie Pech, gegen Leverkusen die 3 Punkte nicht einzufahren, in Schalke wäre ein Unentschieden so verdient gewesen wie in Freiburg und Augsburg. Also eitel Freude, Sonnenschein. Mitnichten. Dunkle Wolken ziehen über dem Borussia-Park auf, weil die Funktionäre nicht in der Lage sind, die Qualität zu erhalten.

Wer auf die Tabelle blickt, sieht deutlich, dass die Chance für einen europäischen Platz lange nicht mehr so groß war. Doch wie gehen die Verantwortlichen damit um? Dass Reus irgendwann den Verlockungen von Geld und Ruhm erliegen würde, war klar, aber Sportdirektor Eberl war offensichtlich nicht in der Lage, ihm auch nur ein Jahr mehr schmackhaft zu machen. Aber dass es einem Verein passiert, Neustädter, der mit zu den Garanten des Erfolgs zählt, umsonst gehen zu lassen, ist grotesk. Wer hat da geschlafen?

Das Entlarvendste, was über die Politik des Vereins zu hören war, hat Eberl stolz von sich gegeben: „Wir denken nicht an das große Ganze.“ Deutlicher kann man sich nicht outen. Das ist das Statement eines Managers in Sachen Zusammenhang, Planung, Voraussicht. Woran denkt er wohl? Ob genügend Toilettenpapier in der Umkleide ist, welche Begegnung einen Topspielzuschlag rechtfertigt oder spricht er mit Pressechef Markus Aretz den zigsten Bildband über Mythos etc. ab? Tja, so wird der 70er-Jahre-Erfolg auf ewig Mythos bleiben, weil die Handlungsbefähigten nicht willens sind, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Je länger wir auf einem Europa-Platz verweilten, desto deutlicher wurde: Borussia hat keine Backups. Daems, Dante, Neustädter, Reus und Arango sind kaum zu ersetzen. Dennoch war kein bisheriger Einkauf dazu geeignet, diese Misere zu beheben. Selbst der hervorragende Brouwers wird es gegen Bayern schwer haben, Dante zu ersetzen. Will man wieder einkaufen wie zu Advocaats Zeiten. Billig, aber viel?



Träumen wir noch einen kurzen Moment, weil’s so schön ist. Sollten die Borussen von Verletzung verschont bleiben, könnten sie sogar den Platz halten. Das bedeutet Qualifikation für die Königsklasse. Nur, ohne Backups und Verstärkung werden sie die beiden Spiele nicht überstehen und somit 20 Millionen aus der Gruppenphase in den Sand gesetzt haben.



Das große Ganze ist die Pflicht eines Managers - auch wenn er sich Sportdirektor nennt. Schon Hoffenheim und Mainz haben Gladbach in den letzten Jahren den Rang abgelaufen. Das war nicht nötig. Bremen hatte 2003/04 einen geringeren Etat als Borussia, wurde jedoch Meister, Bochum, Hamburg, Rostock landeten mit deutlich geringerem Etat über Gladbach. Schon da zeichnete sich eine Tendenz ab. In Bremen werkeln Allofs und Schaaf gemeinsam. Und sie schafften was. Da werden keine Versuche mit den Fachs, Hochstätters (Kritik an Advocaat war für ihn "negative Medienberichterstattung") oder Frontzecks gemacht. Wenn ein Verein einen Frontzeck kauft, muss man sich fragen, wo sind dessen Meriten? Wer lediglich einen Spielervertrag als Ex-Borusse vorweisen kann, hat da wohl kaum die Reputation. Und was Bonhof so aufzuweisen hat, ist deutlich zu hören. Das hilft auch keine Sentimentalität. Er kam meines Wissens, als Chelsea ihn nicht mehr brauchte. Ich erinnere mich allerdings sehr genau an seine Profilneurose gegenüber Toni Polster, die uns u.a. zum Abstieg verhalf.

Wenn man sich weigert, das große Ganze zu sehen, verliert man die Kompetenz, falls man je welche hatte. Nun haben wir außer einigen tollen Spielern wieder einen Spitzentrainer. Doch wer macht ihm die Arbeit schwer? Unsere Funktionäre. Denn es wird nicht bei Neustädter bleiben. Der nächste könnte Hermann sein. Nordtveit kam in einer Umstrukturierung von Arsenal, drei Monate später wär das nicht mehr gelungen. Kurz, die Mannschaft droht auseinanderzubrechen. Das kann sehr schnell gehen. Obwohl Reus und Neustädter sicher tadellose Sportsleute sind, werden sie im Unterbewusstsein spüren, dass sie nicht mehr für die Existenz und den Ruhm ihres Klubs kämpfen. Ihre Mitspieler fragen sich, was soll das werden, wieder der Abfall in die Mittelmäßigkeit, die ständige Abstiegsdrohung?

Der Bild versicherte der Sportdirektor, man wollte die Talente halten. Gehörte Neustädter nicht dazu? Borussia verkommt zum Ausbildungsbetrieb, der Spielern das Podium zur Entwicklung bietet, nicht mehr. Wollen wir immer auf diesem Niveau bleiben? Ein gesunder Verein hat das nicht nötig, zumal er sich auf eine der treuesten Anhängerschaften stützen kann, die seit Jahrzehnten auch für Borussias Ansehen in der Bundesliga sorgt – anders als Königs und Eberl.

Apropos, wer erklärt Eberl nun, was er falsch macht außer Berti? Königs? Nee, klappt wieder nicht. Er habe schlicht nicht bedacht, dass sein Festgeldkonto in Luxemburg Zinsen bringe. Ja, das ist fürwahr schlicht. Bezüglich der Steuerhinterziehung seien seine Vorstandskollegen ihm gleich zur Seite gesprungen, hieß es in der Presse. Das wäre privat. Soso, der Mann der jeden Spieltag im Fernsehen zu sehen ist, ist Privatier. Steuerhinterziehung ist nichts Privates, wenn man einen Verein führt, auf den Tausende Jugendliche blicken, die Moral, Ethik und Gesetzestreue entwickeln sollen. Natürlich behielt er auch seinen IHK-Posten; der Schmusekurs der Berichterstatter hilft. Also im Borussia-Park nichts Neues.

PS:

Effe, Köppel und Co. hatten schon Recht, dass ein Verein mit der Tradition und dem Anhang Besseres verdiente, und auch Günther Netzer bedeutete Bonhof, man solle sich mal langsam aus der Vergangenheit bewegen. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Jürgen Schild


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