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HR Giger’s Wahl
Vampirric
Blutsauger-Geschichten

Es war nur eine Frage, wann der erschreckend agile Horror-Verlag Festa und der Horror-Surrealist HR GIGER zusammenfinden finden würden. Nun hats geklappt. Äußeres Zeichen der Zusammenarbeit ist Giger’s Herausgabe  von 23 Vampir-Geschichten der unzeitigen Art in der Nosferatu-Reihe. Unverwechselbar  sein Spiegel-Logo (da hätt ich mir was  Schärferes gewünscht).

Der Alien-Meister sinniert  im Vorwort über den  Vampirismus als Charakter-Eigenschaft: „...haftet einer Freundschaft nicht immer auch etwas Vampirisches an? Der Eine gibt, während der Andere  sich nimmt...“, spannt den Bogen über die Blut-Abbildungen des Christentums bis zur witzigen Anekdote, als er mit Tausenden Exemplaren seines druckfrischen Buches „ARH +“ (seine Blutgruppe) Auto fuhr und ihm grauste, dass die Ärzte bei einem Unfall nicht helfen könnten und er verblutete, weil sie seine Blutgruppe nicht (er)kannten, obwohl diese auf fetten Lettern überall im Wagen stand.

Die Sammlung ist beeindruckend, Klassiker wie Maupassant’s „Horla“ oder Catherine Lucille Moore’s „Shambleau“ treffen auf Thomas Ligotti’s „Die verloren  gegangene Kunst des Zwielichts“ und Brian Hodge’s „Das letzte Testament“. Lumley’s liefert mit „Necros“ – nicht zu  verwechseln mit seiner fantastischen Vampir-Saga Necroscope“– eine  makaber erotische Geschichte, die sogar ins Happy-End führt.

Schon die erste Geschichte von Carl Jacobi beeindruckt mit ihrer gefeilten Sprache. „Schwarze Offenbarungen“(1933) fesseln trotz der Genre-Klischees (aus heutiger Sicht) vom geheimnisvollen Buch, das den Weg zur düsteren Villa weist, wo die Untoten hausen. „La Diente“(2001) von Nancy Kilpatrik führt uns in die Jetztzeit. Ein mexikanisches Hausmädchen entwickelt seine Macht durch  ein uraltes Vermächtnis.  Siefeners „Egelgott“ (1994) behandelt den Ekel, der mit der Fremdbestimmung einer externen Körpernutzung einhergeht.

Gefragt, welche wohl Giger’s  Lieblingsgeschichte sei, tippe ich  mal auf “Moore’s  Shambleau“. Wer sein schaurig-erotisches Styling im Film “Species“ kennt, ahnt, woher die Initiation zum Räkeln der von Hans Rudi hochgeschätzten  Nastassja Henstridge alias Sil im Gewürm stammt. Ich hätte mir eine kleine Legende zu jedem  Autor gewünscht, ein Service, der den Verlag sonst auszeichnet.  Immerhin können wir wieder etliche Erstveröffentlichungen lesen, u. a. von Hodge, Lumley, Copper, Heron-Allen, Engstrom.

HR GIGER’S Vampirric, Nosferatu im Festa-Verlag, 432 Seiten, 14,95 Euro

Jürgen Schild






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