Weiterer Ausfall von höchster Stelle
Merkel: Ich bin Ballack
Schild's gnadenlose Glosse
Wir sind ja einiges gewohnt. BILD beschimpfte uns: “Wir sind Papst.“ Die dummdreiste Nationalismus-Kampagne der Industrie wollte uns gleichschalten: “Wir sind Deutschland.“ Und nun die Kanzlerin: „Ich bin Ballack.“ Was will uns Angela Merkel, die schon zu ihrer Neujahrsansprache Albernheiten wie „Wir wollen Weltmeister werden“ gebar, damit sagen? Dass sie wie Ballack in der DDR ausgebildet worden ist, dürfte der Mehrheit ihrer WählerInnen bereits bekannt sein. Ich bin Ballack? Figürlich, ästhetisch oder geschlechtlich kann sie es nicht gemeint haben. Und da Ballack nun grade die Qualitäten abgehen, die die Fußballnation von einem Leithammel, einer Führungspersönlichkeit erwartet, scheint sie auf diese nicht so abzuziehen. Ein Alphatier ist er nicht. Vielleicht eher eine Alfa-Tierchen. Wahrscheinlich will sie damit eine Art primus inter pares (der erste unter den Gleichen) reklamieren, die prima donna unter den Wirtschaftsberatern.
Es geht ihr um die Kapitänsbinde, die Spielführerschaft. Fußball sollte wie Politik sein. Ein Spiel. Mehrwertsteuer rauf, Unternehmenskosten runter. Spekulationsgewinne rauf. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Dies feine Endzeitmonopoly braucht noch ne Galionsfigur. Ne lockere. Unsere Wirtschaftsführer wirken ja alle verkrampft, befangen, abgefunden. Da schicken wir mal ne Frau hin, die den Job erledigt und unser Sozialsystem gleich mit. Das wirkt nicht so aggressiv.
Möglicherweise sind ihr aber auch die bisherigen Werbeverträge mit der Wirtschaft zu billig. Aber ein Trost bleibt. Ballack ließ sich wegkaufen. Vielleicht geht Angela ja nach Chelsea. Da bereitet ihr dann Abramowitsch die alte Atmosphäre.