Christsozialer macht den Zensor
Stoiber's Informationssperre
Schild's Wochenkolumne
Wissen emanzipiert den Geist, die Kritik, die Urteilsfähigkeit. Die Wahlergebnisse und Bildungsresultate in unserem Land basieren auf der Schwierigkeit, sich Informationen zu verschaffen. Informationen, die nicht von Interessen gefärbt sind. Es ist nicht leicht im Dschungel der Lobbyisten, Wahlgänger und Hofschreiber die wenigen Quellen anzuzapfen, die eine gewisse Objektivität liefern. Das ist auch nicht erwünscht, und so gibt es immer wieder natürliche (Dummheit und Bequemlichkeit) und selbst ernannte Zensoren. Einer der letzteren (oder beider ?) gab nun wieder aus dem Süden Deutschlands laut. Ausgerechnet jener Stoiber, der mit nur einem Funken Selbsterkenntnis, nach seinem Berliner Debakel allenfalls noch im Krippenspiel auftreten dürfte. Aber nein, er will uns Filme verbieten, und zwar das „Tal der Wölfe“, natürlich nicht in Hollywood gemacht, sondern in der Türkei. Er hat die deutschen Kinobetreiber aufgefordert, diesen Film abzusetzen. Es geht u.a. um die Verschleppung türkischer Soldaten durch US-Einheiten und die folgende Rache. Das atmet Zeitgeist.
Nun, was Stoiber verbietet, sollte man auf jeden Fall tun. Der Mann ist als Autorität lächerlich. Den schützt nur noch sein Amt. Schließlich entschied sogar ein österreichisches(!) Gericht, dass der Zwischenruf „Stoiber ist ein Rassist“ als „zulässiges Werturteil“ gelten kann. Der Christsoziale wollte sich „auf deutschem Boden“ keine Gesellschaft vorstellen, die „durchmischt und durchrasst“ ist. Also auch noch blind. Soll er mal durch die Fußgängerzonen gehen.
In seinem Gefolge wollte auch der demokratische Christ Armin Lachet (NRW) den „antisemitischen und antiamerikanischen“ Film verbieten. Hat der Mann noch nicht erkannt, dass die Pflicht eines Demokraten längst darin besteht, die Amerikaner als Kriegstreiber anzuklagen? Will er zugucken, bis der Planet in Schutt und Asche raucht? Und die Antisemitismus-Keule ist längst abgeschlagen, seit jeder Tunneldenker sie gegen Israelkritiker einsetzt. Aber wie immer in solchen Fällen, darf sich der mündige Bürger kein Urteil selbst bilden. Es bestünde die Gefahr, dass er seinen Horizont erweitert, und die Scheinheiligkeit jener Demokraten erkennt, die sich als bessere Menschen dünken. Dabei müsste doch sogar diesen Hardlinern bekannt sein, wer als erster in Jerusalem gemetzelt hat. Das waren doch Christen, oder hab ich das falsch in Erinnerung?
PS: Als der jetzige Kulturstaatsminister Bernd Neumann noch Christen-Fraktionschef in Bremen war, forderte er im Hinblick auf ein Gedicht des Juden Erich Fried über die Absurdität der langen Haftstrafen für RAF-Mitglieder im Vergleich mit den Nazis: „Derartige Werke sollten verbrannt werden.“ Also alles beim alten im demokratischen Westen.