Horror-Trip
Das Insekt
Von Graham Masterton
Im Dezember 2001 haben wir seinen Schauerroman „Die Opferung“ (Festa) besprochen. Das Urteil kaum nicht besser sein: “Seine thematischen Anleihen bei Lovecraft stören nicht, er hat selbst genug Kreativität, um den Schrecken prosaisch zu entwickeln.“ 10 Jahre später hat Masterton „Trauma“ veröffentlicht, jetzt als „Das Insekt“ erschienen. Diesmal versucht er den Schrecken in die Welt von heute einfließen zu lassen. Bonnie Winters, verheiratet mit dem weder liebevollen noch erfolgreichen Duke, hat den widerlichen Job, nach Morden und Massakrierungen den Tatort zu säubern, und wieder bewohnbar zu machen. Kaum nachvollziehbar, wie ein halbwegs sensibler Mensch dergleichen leisten kann. Ein wenig Zuwendung erfährt Bonnie allenfalls vom sympathischen Lieutenant Dan Munoz, der sie häufig am Tatort mit den Dramen konfrontiert. Wieder zuhause muss sie sich mit den Launen eines Kotzbrockens von Mann befassen. Auch ihr fader Sohn ist keine Hilfe. Als Bonnie registriert, dass an Tatorten eine exotische Raupenart auftaucht, kommen wir dem Sinn und Titel näher. Häufig haben Menschen ihre Liebsten getötet. Ist das ein Ansatzpunkt?
Der Ekelfaktor entspricht ungefähr dem des genialen Films „SAW“, der zurzeit die Cineasten schockt. Allerdings ist letzterer hochintelligent, wogegen Masterton eine Stringenz durch zu viel Abstoßendes versabbert. Er will in die Alltäglichkeit – soweit man das Entsorgen von Gemetzel-Rückständen als solches bezeichnen kann – den Schrecken sickern lassen. Lapidare Kapitelüberschriften wie „Schon wieder putzen“ oder „Dukes Leibgericht“ sollen Normalität vortäuschen. Wenn uns das Cover nicht eine dramaturgische Entwicklung in Aussicht gestellt hätte („ lässt das Unaussprechliche in das alltägliche Leben einbrechen“), wäre das Interesse früh erlahmt. Mit dem Ende versöhnt er allerdings die Durchhaltefähigen.
Graham Masterton: „Das Insekt“, Heyne, 256 Seiten, 7,95 Euro.
Jürgen Schild