Kluge Konstruktion
617 Grad Celsius
Krimi von Horst Eckert
Das Goethe-Institut hat was zu melden: „Wenn Hitchcock Deutscher (bewahre) wäre , hieße er vermutlich Horst Eckert. In einer modernen Variante natürlich: Eckert spielt mit unseren Nerven und dies mit Mitteln des 21. Jahrhunderts.“ In diesem Dummsatz ist so viel falsch, dass es peinlich ist, dass diese Truppe uns im Ausland vertritt. Im Übrigen tut man keinem Autor einen Gefallen, ihn mit dem Genie einer anderen Kunst zu vergleichen. Da kann er nur verlieren. Kriminalhandlungen zwischen Holzbüttgen und Düsseldorf. So aktuell gehalten, dass sogar Naomi Campbell’s Auftritt in der Landeshauptstadt Erwähnung findet. Aber das reicht nicht als Lokalkolorit. Die Story ist klug konstruiert. Bernd Winkler, ein kleiner Polizist, entscheidet sich im September 1976 für einen Schritt, der seiner Karriere, aber nicht seiner moralischen Reputation, förderlich ist. Angetrieben von einem Honoratior, der seine Laufbahn beeinflussen kann, schiebt er dem Musiker Edgar Schwab Rauschgift unter und zerstört ihn. Dessen Freund, der Kunstprofessor Uhlig, wird 2005 in einem explodierten Haus unter den Trümmerstücken gefunden, zusammen mit den Leichen illegaler ukrainischer Arbeiter. Winklers Tochter hat vor zwei Jahren in dem grässlichen Mord am Prominentenmaler Daniel Lohse ermittelt, bevor sie für ein Jahr nach Bosnien ging. Wieder zurück, ahnt sie, dass ihr Vater und dessen Schwager, mittlerweile Ministerpräsident, irgendwie verwickelt sind, was Annas Vorgesetzt natürlich deckeln möchten. Sie wird mit der Vergangenheit ihrer Familie und deren Freunden konfrontiert und muss die Ermordung des Malers aufklären, ein Fall der zwar ad acta gelegt worden ist, aber längst nicht geklärt ist. Anna hatte selbst vor ihrem Bosnien-Aufenthalt die Ermittlung manipuliert. Als dies durchsickert, steht sie vor der Suspendierung.
Zweifellos spannend bis zum Schluss, allenfalls beinträchtig von den ständigen Zeitwechseln, die die Handlung in drei Ebenen voraussetzt.
Horst Eckert : „617 Grad Celsius“, grafit, 318 Seiten, 9,50 Euro
Jürgen Schild