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Debut einer Egomanin
Shanghai Baby
Party-Roman von Wei Hui

Wenn die Autorinnen wirklich schön sind, zieren sie den Deckel ihres eigenen Romans, so unlängst Liza Marklund ihren Krimi “Studio 6”. Nun, das ist immer besser, als auf die prollsinnliche Fresse von Reich-Ranicki gucken zu müssen. Der autobiografische Roman der attraktiven Wei Hui soll in China einen Skandal ausgelöst haben. Nicht unbeabsichtigt, wie Coco, alter ego der Autorin, klar macht: “Eines Tages werde ich eine berühmte Frau sein. Ich werde einen schockierenden Roman schreiben, der die Welt erschüttern wird.” Wer so den Mund voll nimmt, verliert schnell sein Gesicht – und sei es noch so schön. Was in China erschüttern mag, reicht in Europa nicht. Da war Kinski fetziger.

Die Schriftstellerin Coco lernt den sensiblen Tiantian kennen und lieben (nach eineinhalb Seiten), zieht zu ihm  und nimmt sich den deutschen Ehemann Mark zum Sex-Gespielen. “Ich möchte den Roman nicht mit meinem Leben vermischen” schreibt Coco und tut’s. Darin liegt ein gewisser Reiz, öde wird‘s bei der permanent lancierten Selbstverliebtheit. “Seit ich dich das erste Mal gesehen habe, werde ich das Gefühl nicht los, dass du die geborene Schriftstellerin bist”, stachelt Tiantian ihre Eitelkeit an. Sie liebt ihn, umsorgt ihn, während ihre sexuellen Eskapaden eher ihren Status als Kreative zu bestätigen suchen. Halt, Eskapaden klingt aufregender als es ist. Meistens ist der Hintergrund so dürftig wie in einem Porno-Filmchen. Vor dem Regen rettet sich Coco einmal in ein Postamt voller Menschen. “Das ist zwar unangenehm, doch ich tröste mich damit, dass es immer noch um Längen (!) besser ist als in Flüchtlingszelten in Kosovo oder in Albanien.” Welch süßes Plappermaul.

Wenn der Titel eine chinesische Stadt verkörpert, erwarten die Leser sicher die Beschreibung dieser anderen, für uns exotischen, Welt. Die Einwohner, ihre Hoffnungen, Bedürfnisse, Leidenschaften im modernen China. Urbane Entwicklung, ist die gesellschaftliche Durchlässigkeit stärker als auf dem Land, welche Einflussmöglichkeiten übt die Politik aus?  Wovon träumt die Shanghaierin? Wie fühlt sich der Shanghaier als Mann? Aber da kommt nichts.  

Das moderne Shanghai, Künstler, Zeit-Totschläger und Kiffer, etwas Party-Kultur vermögen nicht den angepriesenen Underground umzusetzen, geschweige denn irgendwas Subversives. Laut Prospekt hat die Süddeutsche Zeitung “einen erotischen Untergrundroman aus China” gelesen. Das ist absurd. Wei Hui habe die KP Chinas am Hals. (Kann ich mir nicht vorstellen.) Die Süddeutschen hätten nur die Widmung an die Fudan lesen müssen. Das ist die Universität, nicht unbedingt der Brutkasten verschwörerischer Bestrebungen gegen die KP Chinas.

Im Nachwort schreibt die Autorin: “Ich wollte mich eigentlich selbst gut und immer besser hinter den Worten und zwischen den Zeilen verstecken, habe aber gemerkt, dass das gar nicht so leicht ist.”

Wei Hui: “Shanghai Baby” Ullstein, geb.; 320 Seiten, 18,- Euro

Jürgen Schild


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