Genre-Mix
MonstroCity
SF Horror von Jeffrey Thomas
Schon das Cover bedeutet uns, dass wir es mit montrösen, aber nichts desto weniger reizvollen Figuren zu tun bekommen. Das Genre ist mit Horror-Roman etwas eng gefasst, da die Geschichte fast alle Genres berührt, die im Hause Festa eine Heimat gefunden haben. Da winkt aus seiner Gruft der Prosa-Guru Lovecraft, dessen kosmische Sage um die älteren Götter transformiert wird; gleichzeitig ist der Roman auch durch die depressive Zukunftsvision eines Philipp K. Dick sowie durch einen gehörigen Schuss Fantasy inspiriert. Dem SF Genre entsprechend werden wir mit außerirdischen Wesen konfrontiert, die der Autor mit Hingabe beschreibt. Dass es dabei zu den Klischees kommt, dass ausgerechnet ein Volk, dessen Frauen derbe unterdrückt werden, deren intimes Kopfhaar mit Turbanen schützt, ist zu verschmerzen. Aber das ist nichts gegen die Gepflogenheiten eines Endkapitalismus, der bei Berichten über Verstümmelungen neben den mit Blut verschmierten Haaren des Opfers „praktischerweise“ den Hersteller des Allzweckmessers mit der Laserklinge ablinkt. Die beiden Täterinnen waren 7jährige Mädchen, ihr Motiv: „Sie doof.“
Christopher Ruby ist ein kleiner IT-Angestellter in der außerirdischen Stadt Punktown des Planeten Oasis, wo es außer den siedelnden Menschen einige skurrile Spezies gibt. In einer Rückblende erfahren wir, wie er seine sich metastatisch entwickelnde Freundin töten musste, da sie mittels des Beschwörerbuchs einen Dämon angerufen hatte. Ruby fragt sich, ob es Einzelfälle sind, oder ob eine Macht die labyrinthische Stadt übernommen hat. Ein feines Buch.
Auf eine Tradition des Verlags muss man diesmal verzichten: Wissenwertes über den Autor musste wohl den Eigenanzeigen weichen. Leider erfährt man im Online-Angebot über den Autor gerade mal, dass er noch jung ist, aber trotz der sich aufdrängenden Vergleiche mit Bradbury, Dick und Ligotti völlig eigenständig sei.
Jeffrey Thomas: MonstroCity, Festa-Verlag, 299 Seiten, 9,90 EUR
Jürgen Schild