Parfum der Brüder Lurton (Aug. 2004)
Willkommen zum vorläufigen Höhepunkt der Serie „Wie ergattere ich den besten Viognier zum günstigsten Preis?“ Was ehemals als Geheimtipp galt, hat sich zu einer Lieblingstraube der Kultigen entwickelt, schrieben wir zuletzt, als wir den guten Tropfen der Domaine Grauzan lobten. Ursprünglich nur im Rhône-Tal südlich von Lyon um den Ort Condrieu angebaut, hat sich diese Traube im letzten Jahrzehnt im Süden Frankreichs ausgebreitet. Sie wird in der Ardêche , im Languedoc und in Roussillion angebaut. Und da dieser Wein so ungewöhnlich viele exotische Fruchtextrakte bietet, kann er sich auf unterschiedlichem Terroir auch entsprechend charakterlich entwickeln.
Immer auf der Suche nach preiswerten Lösungen des Genussproblems , kommt man als Niederrheiner auch schon mal ins schöne Roermond, dessen Fußgängerzone im Gegensatz zu Mönchengladbacher sehr belebt und attraktiv ist. Unweit des Rathausplatzes, der spätestens seit Eröffnung des Outlets einen architektonischen Reiz darstellt, entdeckte ich eine kleine Weinhandlung. Wie immer magisch angezogen von solchen Kultstätten sprach ich mit dem Besitzer Mijnheer Haas (jetzt in Sittard) und fragte nach einem Viognier. Er nickte wie selbstverständlich und empfahl den „Les Salices“ der Brüder Lurton. Ein Blick auf das eher schlichte – wie selbst gemachte – Etikett brachte mich ins Grübeln.
Bei dem Preis gabs kein Halten und während ich nach Hause fuhr, zermarterte ich mir das Hirn, woher ich den Namen kannte. Nun gibt es in Frankreich einige Lurtons (so besprachen wie mal den Château Cruzeau von André Lurton), und Jacques und François sind auch keine unbekannten. Kaum zu Hause zog ich den Hachette zu Rate, den besten Weinführer Frankreichs, der zu meinem Unglück nicht mehr ins Deutsche übersetzt wird. Er gilt zu Recht als unbestechlich, da die Vielzahl der Juroren schon aus organisatorischen Gründen nicht unter einen Hut zu bringen sind. Das Höchste, was dieser Führer an Huldigung zu vergeben hat, sind 3 Sterne und wenn’s dann noch doller sein soll, wird der Tropfen als Lieblingswein eingestuft und mit Etikett abgebildet. Und was glauben Sie? Das bescheidene Etikett des 2001er prangt auf Seite 1373 (Hachette 2003). Ein Grund, weshalb ich diesen Gourmetführer schätze , dass überhaupt ein Landwein ohne Klassifizierung und Apellation diesen Rang erklimmen kann.
Les Salices ist heimisch im Minervois am Fuß der Montagne Noire , nordöstlich der Monsterfestung Carcassonne. Er schmeckt buttrig und sanft, vereint Fruchtaromen von Aprikose und Orange, assoziiert tropische Genüsse wie Mango und Mandel-Verfeinerungen wie Marzipan. Der blassgoldene Ton illustriert die Harmonie und Eingebundenheit. Ein Rebensaft, der jegliche Säure unterbuttert. Einer der Weine, über dessen Geschmack Weinliebhaber einen ganzen Abend debattieren können, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Der Abgang verheißt einen erlesenen Nektar (wohlgemerkt: das ist ein trockener Weißer), ein baldiges Nachfüllen. Dies will lange „nachgeschmeckt“ werden. Sanft wie Balsam ölt er den Gaumen. Diesen Tropfen sollte man ohne Ablenkung genießen, beste Ergänzung sind Macadamia-Nüsse, deren softe Butterigkeit für diesen Wein wie geschaffen ist. Zitieren wie mal die Tester des Hachette: „Man versinkt in seinem Duft wie in einem Brunnen der Aromenwissenschaft.“ Bon.
Les Salices
Viognier 2002 (VdP)
Jacques et François Lurton
Preis 6,95 Euro
Alkohol 13 %
Bezug: Weinhandel Haas
Sittard
Niederlande