Aufstieg und Fall der Luxus-Tussen (Jun. 2001)
Der A.E.C. Geronimo Verlag hat sich von Tussi Deluxe getrennt. Die sechste Nummer, die dritte für 7 DM, war die letzte. “Der Verlag war nicht in der Lage, Anzeigen für ein Frauenmagazin ranzuschaffen.”, lautete das klare Statement von Chefredakeurin Nicole Bader gegenüber “Kress.de”. Die drei Endtussen suchen Geldgeber und machen vorerst im Internet weiter. Dort, wo früher idealisierter Kitsch in PinkRosa prangte, weint nun eine Androgyne.
Ein Blick in die Analen von Tussi-Deluxe. Fünf Kölnerinnen und fünf Düsseldorferinnen schufen unter dem Label Tussi Deluxe eine Zeitschrift nach ihrem Geschmack und Bedürfnis, darauf vertrauend, dass dieses Projekt auch LeserInnen anzog. Und es begann peppig im handtaschengerechten Din-A-5-Format (siehe stadtmagazin ) mit Tampon-Spende und viel Witz. Und alle gratulierten.
Dann köderte der Verlag Geronimo vier Damen (3 D-dorferinnen, 1 Kölnerin) mit Festanstellung und kaufte sich Tussi Deluxe (künftig TDL genannt). Mit den üblichen Verschleißerscheinungen wie Formatänderung und dergleichen. Dennoch waren auch die nächsten Ausgaben innovativ.
Insider wunderten sich nur über die schwache Anzeigenakquise der Verlagsmänner, taten die Tussis doch nichts Böses und verschreckten keine potentiellen Kunden. Schon im ersten Heft fiel zwar ein neues Styling von Adolf H. (Tussi repair) aus der Rolle, doch erfüllte dies mehr den Tatbestand des üblen Geschmacks als der Verhetzung oder Nazi-PR. Tussis Anarchismus nahm keiner Ernst. Vielleicht ein Rollenproblem.
Und die märchenhafte Propaganda. TDL gebührte der PR-Preis des Jahres. Popkomm, Viva, WDR, Pro 7, Printmedien aller Couleur erwiesen ihre Referenz (so viele kamen bestimmt nicht kondolieren). Max schmiss sich an die RAF-Compilation ran. Lobhudelei allüberall. Manche Schreiber waren so wohl gesonnen, dass sie das Ende gar nicht mitbekamen. So schrieb noch nach der letzten Ausgabe ein Blatt vom “Stammplatz in der Tussi-Redaktion”, der nicht mehr existierte. Kein Wort vom bevorstehenden Ende. Längst war der letztmögliche TDL-Coup den Bach runter. Als Location für ihre Jubiläumsparty hatten Tussen das Kölner Edel-Bordell Pascha erwogen. Ein Abgang mit Format oder aber die Renaissance. Wie gesagt, an PR hat’s nie gemangelt. Und so erfuhren wir, dass die Kölner Tussen, von ihren rheinischen Rivalinnen distanziert, kürzlich als “Chicas di Cologna” in Köln auflegten. Mit Resonanz.