Die Stimme ist nicht mal die außergewöhnlichste unter den modernen Jazz-Soubretten. „Aber nur wenige vermögen die Jazz-Tradion mit so viel unbefangener Leichtigkeit und Zeitgeist aufzufangen wie die Dänin Susi Hyldgaard.“, schreibt JazzThing und hat Recht. Beeindruckend ist der Einklang mit der minimalen Instrumentierung, der eine Harmonie der besonderen Art erzeugt. Obwohl es gar nicht geplant war, ist ein Solo-Werk entstanden bis auf die sehr gefühlvollen String-Arrangements von Dickon Hinchcliffe, der sie auch live überzeugte. Wesentliches Fundament lieferte Bassist Jannick Jensen, als Drumspezialisten verpflichtete sie Steve Arguelles. In „Suck The Bone“(Track 4) uhrwerkt ein monotoner Bass vor einer Geigenschleife, ein paar Marimba/Rhodes-Klänge perlen ziellos durch den Raum und dann intoniert Misses Hyldgaard in all ihrer Coolness, von einem subtilen Backchor (Manuela Lærke) begleitet. Ein Stück von enormer Leichtigkeit, das eine hypnotische Atmosphäre ausstrahlt. Der ideale Anspieltip, zumal sie hier ihr komplettes Volumen mit etlichen Koloraturen anreichert. Häufig schwebt ihre Stimme so frontal im Raum, dass man ihr zwischen den Boxen die Hand schütteln möchte. So im Song „Sometimes“ (Track 6) , dessen sentimentales Klavierspiel den Lauf der Leidenschaften abklimpert, später von aufwühlenden Streichern überlagert. Dann werden Pianotöne von Pizzicati reflektiert, der Chor (Susanne Charstensen) produziert filigrane Verzierungen, die fast flehentlich klingen. Der Refrain „Thai Food Chililimit“ (Track 7) strukturiert einen Finger schnippenden Soft-Jazz mit Elektronik-Gepuzzle. Ob sie einfach lossummt, locker , leicht und lasziv wie auf „Could This Be The Reason“ (Track 9) oder den Song „Sisters In Shame“ (Track 10) hinhaucht, als wollte sie niemanden wecken, bevor sich Hinchcliffes Violine in angeahnte Höhe schwingt – sie fesselt mit jeder Note. Nie war Schlichtheit so anspruchsvoll.
Jürgen Schild