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Beth Gibbons & Rustin Man
Out of Season
Polydor

Selten war ich so gespannt, nachdem die Gerüchte um Portishead sich hartnäckig hielten, die Gruppe um Geoff Barrow und Beth Gibbons hätte nach dem (mir unverständlichen) Flop ihrer letzten Scheibe resigniert. Beth ohne Portishead, kein TripHop – wie soll das klingen? Zumal ihre manchmal zittrige, immer sehnsüchtige Stimme ohne den Gegensatz der schweren langsamen Beats und experimenteller Sounds, Scratches sowie Theremin, Hammond und Rhodes kaum vorstellbar scheint. Doch „Out of seasons“ ist ein einzigartiges Opus einer Sängerin, die mit Paul Webb aka Rustin Man (ehemals Talk Talk) einen kongenialen Partner gefunden hat, um ihre Emotionen auszudrücken.

Ein Chor, der fast weltfremd zwischen verzagend und jubilierend klingt umrankt sie auf „Tom the model“(Track 2). Ihre Stimme ist  so charakteristisch, dass sie die Songs beherrscht wie die Streicher ein Orchester. In „Show“ (Track 3) vermeint man, ihre Stimmbänder beben zu hören vor der kärglichen Begleitung  von Bass, Piano, Cello und Flöte als Coda. „Romance“(Track  4) ist der  perfekte Titel für einen Gefühlsschwang, der  alle Finessen des orchestralen Arragements in einer Ballade vereinigt, die manchmal so mysterös wie ein Goldfrapp-Stück klingt.  Nicht nur von der üppigen Besetzung mit den Portishead-Musikern und Adrian Utley her der Brillant der Scheibe, der allein schon die Investition lohnt. Mal intoniert sie ein bisschen wie Tori Amos, doch immer bleibt sie sie selbst. Wenn die Portishead-Scheiben für die blaue  Stunde zwischen 2 und 3  Uhr morgens ideal sind, ist Beth’ Out  of seasons die Platte für den  besinnlichen Nachmittag oder die  frühen Morgenstunden, wenn man sich fragt , ob das  Leben noch Sinn hat. Paul Webb, der bei Talk Talk häufig die Songs um Schlagzeug–Improvisationen arrangiert hat, sagte, „durch die Stimme von Beth gelang es uns diesmal, die Atmosphäre des Songs um die Melodie ... herum zu  kreieren. Bei Beth sicher die wesentliche Art emotionaler Komposition. Ein ernstes Album, tiefsinnig und nachdenklich, voller Melodien und Sounds und mit einer fragilen Stimme, die durch ihr enormes Intonations-Spektrum allzeit dominant ist. Gänsehauterzeugend.Welches Gewicht sie Portishead gibt (sie feilt an Melodien, deren Gerüst ihr Barrow geschickt hat), ist spätestens  jetzt überdeutlich.

 
ens


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