Unveröffentlicht, aber dennoch wichtig
Der Stern von Süchteln
Restaurant Josefine der
Dieser Artikel war für Mönchengladbachs Stadtführer vorgesehen und kostete mich und den brillanten Koch Teigelkamp Zeit und Arbeit. Der Stadtführer ist tatsächlich ohne den einzig edlen Stern-Laden im Umkreis erschienen. Gott, war das peinlich. Aber darunter sollten Feinschmecker und solche, die es werden wollen, nicht leiden.
Wir können Ihnen nicht die Sterne vom Himmel holen, doch den Weg zu einem aus dem Kosmos der Feinschmecker weisen. In der Jugendstilvilla an der Hindenburgstraße 34 in Süchteln kocht Thomas Teigelkamp seit Jahren auf höchstem Niveau und trägt seit 1997 einen Stern des Michelin.
„Rotbarbe mit Lavendelkruste und Orangenoliven, Milchlamm mit toskanischem Gemüseragoût und Geeiste Passionsfrucht-Schokoladen-Galette“ nennt der Michelin Teigelkamps Spezialitäten. Aber da gibts noch ne Menge wie ein Blick auf die Karte verrät: Seeteufel im Auberginenmantel mit Serranoschinken und Salbei auf Röst-Artischocken und Salsa Romesco oder Jakobsmuscheln und Gamba in Reisteig gebacken mit Papaya- Chutney und Sprossen oder Hagenbroicher Milchlamm in Bärlauch. Letzteres beweist, dass Teigelkamp nicht nach Paris muss, um gute Produkte zu ergattern. „Ich kaufe Einiges im Umkreis, Nettetaler Spargel, hiesige Kartoffeln, Hagenbroicher Rind- und Lammfleisch.“
Als Thomas Teigelkamp im Tantris (Winklers Nobel-Restaurant in München) als frischgebackener Kochgesell anheuerte, dachte er keine Sekunde ans Gehalt, vor rund 25 Jahren erhielt er 610,- DM. „Wenn mir meine Mutter damals nicht ein paar Scheine zugesteckt hätte, hätte ich nicht viel von München gesehen.“ Ein Spitzenkoch erhält heute das Gehalt eines Diplomingenieurs. „Es zieht die Jungen nach München, Hamburg und vor allem nach Berlin.“ Als Teigelkamp die Jugenstilvilla in Süchteln übernahm und dort kräftig investierte, meinte Gattin Pia am Ende der Berechnungen: „Und nun hast Du noch 50.000 DM für Deinen Weinkeller.“ Das ist bescheiden für ein Etablissement dieser Qualität. Teigelkamp kam auf die geniale Idee, als Regale Randbefestigungssteine (siehe Foto) zu verwenden, die bestens die Temperatur konservieren. Da der Druck auf einem nicht betonierten Kellerboden 1,4 Tonnen pro Quadratmeter betrug. Aber er hielt. Heute ist der Weinkeller (400 Weine auf der Karte) sein ganzer Stolz, und man gerät bei14 Grad Celsius und 70 %Luftfeuchtigkeit ins Schwärmen.
Wenn Thomas Teigelkamp mit seinen Kindern und Gattin Pia essen geht, dann gerne „typisch italienisch: Kräuter, Fisch, Krustentiere, leicht , unkompliziert und abwechslungsreich.“ Ja, die Kinder dürften sogar Fastfood verdrücken. Der Liebhaber von Edelfischen, Krustentieren und Muscheln holt sich seine Anregungen bei Urlauben, im Wald und beim Relaxen.
Natürlich hat der Meisterkoch schon früh von einem Stern geträumt. Und das jährliche Bestätigen dieser Auszeichnung ist für ihn „immer wieder eine Herausforderung.“ Natürlich kann ich mir die Frage nicht verkneifen, ob er je einen Michelin-Tester erkannt hat? „Man vermutet hinter dem ein oder anderen Gast einen Restauranttester, aber ist nicht jeder Gast ein Tester und ein Werbeträger für unser Haus?!“