Von Jürgen Schild (Nov. 2000)
Neues aus der Welt der Weine vernahm ich kürzlich in einer Probierrunde, als es um die Diskussion ging, hat der Wein Kork oder nicht. Unser Yuppy-Verschnitt (kauft Wein zum Imponieren, trinkt Bier zum Berauschen) äußerte diesen Verdacht mit der ihm eigenen Unbedarftheit. Ein alter Hase konterte locker, er habe im Weißwein-Sektor wohl noch nicht viel Erfahrung mit Barrique. Yuppylein dachte nach und schwieg.
Erstaunen in der Runde. Alle schmeckten noch mal gründlich nach. Da krähte unser Weinhansel dazwischen, die Möchtegern-Feinschmecker müssten künftig nicht mehr hinzu lernen, da man erste, Erfolg versprechende, Versuche mit Mikrowellen gestartet habe, um dem Unwesen des Kork-Geschmacks Einhalt zu gebieten.
Danach würde also der verkorkste Genuss künftig nicht mehr zum Problem, wenn die Bestrahlung mit Mikrowellen tatsächlich Sinn habe.
“Das kann natürlich, wie alle technischen Errungenschaften nach hinten losgehen.”, meinte der bedächtige Weingenießer, und die Runde dachte synchron an Genmanipulationen. Ich stellte mir gerade vor, wie ein Korken nach hinten losgeht.
Nun war es an mir, den Ästheten raus zu lassen. “Unter diesen Umständen könnt ich mich noch eher an Silikon-Korken gewöhnen...”, mein Blick streifte die weibliche Yuppy-Anhängse, “... aber ich reg mich schon auf, wenn ich auf einer Flasche Burgunder am Etikett einer mit Sorgfalt ziselierten Ansicht einer Domaine einen Barre Code sehe...”
”Ich habe nichts gegen Bar-Besuche”, zischelte der sich erholende Yuppy eingeschnappt.
”Er meint das Strich-Etikett für Scanner.”, bildete ihn seine Begleitung weiter.
Allgemeine Zustimmung aus der Runde.
”Ich komm bei Weinen nicht mal mit dem grünen Punkt klar...”
”Das ist ja auch Verarschung.”
”Jetzt komm mir nicht wieder mit diesem Trittin...”