Startseite
Bücher
- Romane
Bali Groove
  - Teaser
  - Inhalt
  - Glossar
Miss Klon
  - Teaser
  - Inhalt
  - Material
  - Glossar
Kolumnen
- Wort der Woche
- Peinlichkeit der Woche
Rezis
- Brockhaus
- Romane
Essays
Musik
Profil
- Interviews
Verlagsgeschichten
Exotisches
- Reisefotos
- Reiseberichte
Lukull
- Gourmet
- Weine
Kontakt/Impressum
weitere Artikel
keine weiteren Artikel

Interview mit dem Autor von >Miss Klon<
Maßlos und exotisch
Klagen gegen Human Genome Diversity Projekt
Sylvester Zäff: Ein Thriller mit Glossar. Wer macht denn so  was?
Schild: Ein exotischer Verlag wie der Name schon sagt. Wir stöhnen all über PISA und den Bildungsnotstand. Aber sobald es was zu lernen gibt, nehmen viele Reißaus. Sogar Leute, die einen Kulturauftrag haben. Meine Leserinnen und Leser werden einen Apparat schätzen. Jeder will doch was Neues erfahren. Von meinem Bali-Roman kursiert das Glossar, weil es Reiselustigen ne Menge über eine tropische Insel vermittelte. Das gleiche Glossar rang einer jungen, schönen, hoffnungsvollen Lektorin von VGS den Seufzer ab: ‚Ein Glossar? Da muss man sich ja mit beschäftigen.’ Ich fand’s köstlich; zumal die Formulierung mit ‚man’von einer Frau, die mit Sprache Geld verdienen will.

Zäff: Der Sprachwitz in Ihrem Roman überschreitet jedes Maß.

Schild: So soll es sein: maßlos. Ja, er initiiert den dramaturgischen Ablauf und soll die
Rollenklischees von Frauen und Männern katalysieren. Da nehmen die beiden Protagonisten kein Blatt vor den Mund und scheuen keinen Kalauer, um sich gegen ihre scheinbar übermächtigen Auftraggeberinnen, die parapsychisch begabten Powerfrauen zu behaupten. Zudem ist es ja nach solchen Ereignissen wie 11/9 offensichtlich, dass sich die Menschen in Angst und Bedrohung mit Witzen helfen. Die Asiaten lächeln ja auch noch nach Beleidigungen und Missgeschicken. Aber unsere zwei Globetrotter reizen jeden zum Lachen, und das so oft wie möglich, um auch ein Gegengewicht zu den üppigen Dschungelszenen und den Labor-Einstellungen zu bieten.

Zäff: Einstellungen klingt nach Film?

Schild: Bis auf expressive Sprache und Dialog-Eskapaden ist es sicher nah am Drehbuch. Der Anspruch, ein Dutzend Schauplätze in 7 Ländern, AIDS, Klonen, Pol Pot, Rollen-Provokationen und Geschichte auf 240 Seiten zu packen, lässt keine andere Wahl. Das geht nur mit rasanter Schnitttechnik. Und dennoch sind Ruhepole vorhanden, sowohl in Dialogen wie in Landschaftsschilderungen. Vor allem wollte ich es möglichst kurz halten, da es schön als Reiseroman in Asien zu nutzen ist, und da wollen wir nicht schleppen wie an einem Dumont. Außerdem ist es kein Mainstream, will sagen, die Plots und die Anspielungen werden bei flüchtigem Lesen nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Man soll dieses Buch gemütlich in 2 Tagen lesen können. Bücherfresser schaffen es an einem.

Zäff: Ein Titelbild, so mein Kollege in der Druckerei, das nicht gerade ein Jugendbuch erwarten lässt.


Schild (lehnt sich genüsslich zurück): Toll, nicht? Seit dem Cover „Brain Salad Surgery“ von ELP (Emerson, Lake & Palmer) – ich glaube, es war 1972 – schätze ich das Werk von HR Giger, Erschaffer von Alien und SIL (Species), Dark-Kosmetiker von Debbie Harrys feinem Antlitz, der als Erster ein Pendant zu Lovecrafts Necronomicon kreiert hat.

Zäff (guckt sich um): Man sieht es an Ihren Bildern.

Schild: Ohne ihn wär auch der Enterprise-Zyklus über die Borg nicht möglich gewesen. Schließlich hat er die Biomechanoiden konzipiert. Er hatte mir schon für meine Urversion ‚Vampir-Projekt’ einen Titel zugesagt.  Ich hatte damals einen Vertrag mit einem Berliner Verlag, der eine Reihe „sozialkritische Krimis“ rausbringen wollte. Sozialkritisch, hä; sobald jemand ne Kugel in den Kopf bekommt, ist das natürlich auch ne Form der Kritik. So waren die drauf. Das Angebot eines Giger-Titels ignorierten sie und sagten nicht mal dem Künstler ab. Peinlich, aber bezeichnend; so fragte mich der Lektor etwa 10 Tage nach einer Mondfinsternis, was denn eine Korona sei. Ich kann nicht mehr erwarten, dass viele Leser wissen, was mit Projekt Vampir gemeint war. Lektoren denken prompt an Blutsauger.

Zäff: Haben Sie den Roman nach Titeländerung auch überarbeitet?


Schild (lächelt): Nein, man sollte sich nicht überarbeiten. Die Aktualität ist ungebrochen, am 4. August lief bei 3Sat ein Bericht über das Projekt Vampir. Wörtlich: „Unter dem Deckmantel des Human Genome Diversity Project wird den Eingeborenen am Amazonas ihr Blut gestohlen.“ Die Indianer klagen und wollen ihr Blut zurück. Die Bezüge zum Vietnam-Krieg werden jetzt intensiviert. Das Tribunal gegen die Khmer-Rouge-Führer steht an und zeugt prompt wieder Bürgerkriegs-Angst. Die Doppelmoral der Amis, die ja auch die Taleban gerüstet und gestützt haben, genau wie damals Pol Pots Mördersystem, ist zeitlos, ein Lehrbeispiel. Die Musik ist noch up to date. Madonna produziert noch. Die Rotlichtviertel Thailands genauso. All die Reizthemen sind nach wie vor in. Aids und Klonen mehr denn je. Und die Sprüche unserer zwei Freunde können sich immer hören lassen. Zudem liegen dem Thema Hochrechnungen zugrunde, die nun allmählich greifen. Von Medikamenten bis zur Mode.

Zäff: Wird der nächste Roman die gleichen Charakteristika aufweisen?


Schild: Ich würde es begrüßen. Kein Autor wird 3 Jahre später die gleiche Sprache verwenden. Das lebt. Aber der Stil, vom Kalauer zur Interpretation einer Konnotation, vom Klamauk zur Assoziation, Tiraden, Situationskomik, das ändert man nicht. Die Rollen-Provokationen, Exotik und Zeitgeist, das will ich wieder hinkriegen.

Zäff: Wann erscheint denn Ihr Bali-Roman?


Schild: Bali-Groove kommt im Herbst heraus, rechtzeitig zur Reise-Saison in den Tropen.

Zäff: Also der erste nach dem zweiten.

Schild: Klar, das sind wir doch seit Star Wars gewohnt. (lacht)



zum Seitenanfang ^